Zugsalben: „Einmal die schwarze stinkende Salbe, bitte!“

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Foto: iStock/triocean

Oft beschreiben Kund*innen Präparate anhand von Farbe, Form und Verpackungsdesign. Bei der oben genannten Aussage, weiß das beratende Apothekenpersonal sofort, was der Kunde erwerben möchte: eine Zugsalbe.

Die Zug- oder Ziehsalbe ist eine entzündungshemmende und antibakterielle Salbe, die seit Jahrzehnten zur oberflächlichen Behandlung von eitrigen Hautentzündungen eingesetzt wird. Die Haut über der entzündeten Stelle wird dadurch verstärkt, durchblutet und aufgeweicht. So wird die Entzündung aus tieferen Hautschichten an die Oberfläche „gezogen“, der Eiter kann abfließen und der schmerzhafte Druck lässt nach. 

Kleinere Abszesse, Furunkel, Pickel, Karbunkel, Schweißdrüsen- und auch Nagelbettentzündungen können damit einfach und wirksam behandelt werden. Diese können, abgesehen vom unschönen Aussehen, auch sehr schmerzhaft sein, wenn sie etwa im Intimbereich oder unter den Achseln auftreten.

Zugsalben in der Selbstmedikation – nicht alle sind schwarz

Der bekannteste Wirkstoff in Zugsalben dürfte das Ammoniumbituminosulfonat sein – ein Naturprodukt aus Schieferöl. Die zähflüssige, schwarze Substanz wird unter der Marke Ichtholan (Ichthyol-Gesellschaft Cordes, Hermanni & Co.) vermarktet und hat den charakteristischen, teerartigen Geruch. Je nach Größe der Entzündung wird der Wirkstoff zu zehn, 20 oder zu 50 Prozent eingesetzt.

Weiterhin gibt es die ilon Salbe classic (Cesra-Arzneimittel) auf dem Markt, die aus Mischungen aus Lärchenterpentin, Terpentinöl und ätherischen Ölen (Rosmarin, Thymian, Eukalyptus) besteht. Sie wirkt antibakteriell, entzündungshemmend sowie durchblutungsfördernd und hat im Vergleich zum Ichtholan einen angenehmeren „waldigen“ Geruch. Außerdem hat diese Salbe eine grüne Farbe.

Aus der anthroposophischen Heilkunde gibt es noch die Mercurialis Salbe (Wala), die eine Mischung aus Extrakten von Bingelkraut (Mercurialis perennis), Ringelblume (Calendula officinalis) und Küchenzwiebel (Allium cepa) beinhaltet. Die Salbe soll laut Hersteller die Wundheilung fördern, die Ausscheidung von Eiter anregen und darf auch in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Säuglinge und Kleinkinder angewendet werden.

Richtige Anwendung

Alle Zugsalben sollten relativ dick auf die entzündete Stelle aufgetragen und mit einem Pflaster oder Verband abgedeckt werden. Nur auf diese Weise kann sich die „Zugwirkung“ richtig entfalten. Einmal täglich sollte der Verband erneuert werden und wenn nach drei bis fünf Tagen keine Besserung eintritt oder Fieber und/oder starke Schmerzen hinzukommen, sollte ein Arzt hinzugezogen werden.

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