Wochenrückblick: Drohende Lagerwertverluste, neue Arzneimittel, Verlängerung der Corona-Sonderregelungen

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Zum 1. Juni kam es bei einigen Fertigarzneimitteln zu Preissenkungen. Weiterhin sind neue Präparate auf den Markt gekommen. Die Corona-Sonderregelungen für Apotheken wurden verlängert. Unser Wochenrückblick.

Preissenkungen bei Fertigarzneimitteln zum 01. Juni 2021

Vorsicht ist bei den aktuellen Preissenkungen geboten, die diese Woche in Kraft getreten sind. Wenn nicht frühzeitig reagiert wird, drohen große Lagerwertverluste. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Medikamente:

Grafik: AMIRA-Redaktion

Neue Arzneimittel im Juni

Auch im Juni kamen wieder einige neue Arzneimittel auf den deutschen Markt. Für eine komplette Übersicht schau am besten immer auf den Seiten der „Gelben Liste“ nach, die immer die aktuellen Neueinführungen griffbereit hält. Ganz besonders interessant in diesem Monat ist die Neueinführung eines Xarelto-Granulates zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. Es wird von der Bayer Vital GmbH GB Pharma hergestellt und enthält den Wirkstoff Rivaroxaban. Wie die Tabletten auch wird das neue Granulat zur Behandlung von venösen Thromboembolien und zur Prophylaxe von deren Rezidiven genutzt. Im Unterschied zu den bekannten Tabletten wird es bei Reifgeborenen, Säuglingen und Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nach mindestens fünf Tagen initialer parenteraler Antikoagulationstherapie eingesetzt.

Kein Ende der Corona-Tests nach der Pandemie?

Im Februar dieses Jahres wurde mit der „Dritten Verordnung zur Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung im Rahmen der epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ festgelegt, dass „In-vitro-Diagnostika für die Eigenanwendung, die für den direkten Nachweis einer SARS-CoV 2-Infektion bestimmt sind“, zur Anlage 3 der Medizinprodukte-Abgabeverordnung (MPAV) hinzugefügt werden. Dort war bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich lediglich der HIV-Selbsttest als In-vitro-Diagnostikum aufgeführt, das von den geltenden Abgabebeschränkungen ausgenommen war. Seither durften die Corona-Selbsttests für Jedermann und -frau in den Apotheken verkauft werden. Damit das auch nach dem Ende der Pandemie so bleiben kann, möchte das Bundesgesundheitsministerium die Abgabe „für die Zukunft verstetigen“. Regeln soll das die sogenannte „zweite Verordnung zur Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung“ (MPAV). Das dürfte viele Apothekenleiter:innen erfreuen, denn die bereits eingekauften Schnell- und Selbsttests dürften damit über den 30. Juni 2021 hinaus abgegeben werden – sollte der Bundesrat dieser Regelung zustimmen.

Corona-Sonderregelungen für Apotheken werden verlängert

Die Sonderregelungen in den Apotheken, die aufgrund der Corona-Pandemie eingeführt wurden, werden nun bis zum 31.05.2022 verlängert. Die erweiterten Austauschmöglichkeiten, wenn ein Medikament nicht lieferbar oder verfügbar ist, bleiben also erhalten (keine starre Abgabereihenfolge, um den Patienten schneller zu beliefern, „aut simile“-Austausch nach Rücksprache mit dem Arzt, Lockerungen bei der Wahl der abzugebenden Packungsgrößen und Packungsanzahl, Entnahme von Teilmengen, abweichende Wirkstärken etc.). Auch dürfen weiterhin Betäubungsmittel an andere Apotheken abgegeben werden, damit diese ihre Patient:innen beliefern können. Das ist eine große Erleichterung und Vereinfachung bei der pharmazeutischen Betreuung.

Corona-Testhonorar wird sinken

Seit vergangener Woche sind Apothekenleiter:innen über eine Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der ARD-Sendung Anne Will verunsichert, wonach das Honorar für die Coronatests sinken soll. Er sprach sogar von einer Vergütung, die unter der 10 Euro-Schwelle liege, wollte sich aber auf keinen Preis festlegen. Zudem ist weiterhin offen, ab wann die Senkung des Honorars stattfinden soll, oder ob sie gar – wie beim Honorar für die Ausgabe der FFP2-Masken – rückwirkend gelten wird. Vorausgegangen waren der Preisdiskussion verschiedene Fälle, bei denen ein Abrechnungsbetrug vermutet wird. Da die Kontrollen über die Abrechnungen der Testcenter einige Lücken lassen, möchte Spahn zudem die Finanzämter in die Prüfpflicht nehmen. Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL), findet den Ansatz falsch. Auf diese Weise bestrafe der Gesundheitsminister auch rechtschaffene Testcenter, vor allem Apotheken.

E-Rezept in der Bevölkerung weitgehend unbekannt

Wenige Monate vor der flächendeckenden Einführung des elektronischen Rezepts wissen die in Deutschland lebenden Menschen noch sehr wenig über den Nachfolger des rosafarbenen Papierrezepts. 63 Prozent der Erwachsenen haben noch gar nichts vom E-Rezept gehört. Wann es eingeführt wird, nämlich zum 1. Januar 2022, wissen sogar 95 Prozent nicht. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts KANTAR im Auftrag der ABDA unter 1.000 Personen anlässlich des Tags der Apotheke am 7. Juni. Knapp 75 Prozent möchten ihre Medikamente auch weiterhin gerne persönlich in der Apotheke vor Ort abholen. Weitere 9 Prozent können sich vorstellen, ein E-Rezept an ihre Apotheke zu schicken und deren Botendienst für die Belieferung in Anspruch zu nehmen.

„Wir sehen, dass die Menschen noch extrem wenig über die Einführung des E-Rezepts und seine Vorteile wissen. Da kommt in den nächsten Monaten sehr viel Aufklärungsarbeit auf uns zu“, kommentierte ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening die Umfrageergebnisse. Technisch seien die Apotheken bestens auf den Roll-Out des E-Rezeptes vorbereitet. Die Umfrage zeige zudem, die Betreuung der Kund:innen „immer eine ganz persönliche bleiben“ werde – „egal ob digital oder analog“. Der Tag der Apotheke findet seit 1998 statt, um die Leistungen der Apotheken öffentlich darzustellen.

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