Wochenrückblick: Covid-19-Medikamente, Corona-Maßnahmen, Arzneipflanze des Jahres

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Foto: iStock/alvarez

Bund und Länder einigen sich auf neue Corona-Maßnahmen. Die erste Lieferung des Covid-19-Medikaments Paxlovid kann womöglich im Januar erfolgen. Weitere Infos findest du im Wochenrückblick.

Covid-19-Medikamente kommen im Januar

Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach zeigt sich zuversichtlich, dass die erste Lieferung des Covid-19-Medikamentes Paxlovid (Kombination aus Nirmatrelvir und Ritonavir, Pfizer) Deutschland bereits im Januar 2022 erreicht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bereite derzeit eine nationale Zulassung des Medikamentes  vor, das schwere Covid-19-Krankheitsverläufe bei Hochrisikopatienten verhindern soll. Dann wäre Deutschland noch vor der ausstehenden Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur dazu in der Lage sein, das Arzneimittel einzusetzen. Bislang bekannte mögliche Nebenwirkungen sind eine Beeinträchtigung des Geschmackssinns, Durchfall, Bluthochdruck und Muskelschmerzen.

Währenddessen ist das Medikament Lagevrio (Molnupiravir, MSD) bereits seit dem 3. Januar 2022 abgabebereit. Die Verordnung wird direkt vom Arzt oder der Ärztin an die Apotheke weitergeleitet, die erst nach dieser Anweisung das Medikament beim Großhändler bestellen darf. Eine Lagerbevorratung ist nicht erlaubt. Wird das Präparat an den Patienten bzw. an die Patientin ausgeliefert, muss der Abgebende ihm noch einen Merkzettel ausdrucken und aushändigen. Dieser findet sich auf der Seite des BfArM.

Für die Abgabe dieser beiden antiviralen Medikamente erhalten Apotheken eine Vergütung je Packung von 30 Euro zuzüglich Umsatzsteuer, und acht Euro Botenpauschale, wenn das Medikament geliefert werden muss.

Neue Arzneimittel im Januar 2022

Zum 1. Januar 2022 kamen knapp 90 neue Arzneimittel in Deutschland auf den Markt. Ganz neu ist Vumerity 231 mg magensaftresistente Hartkapseln (Biogen) zur Behandlung der schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose. Der Wirkstoff Diroximelfumarat wird, wie das bereits bekannte Dimethylfumarat (Tecfidera – ebenfalls Hersteller Biogen), im Körper in die aktive Form, Monomethylfumarat (Hauptmetabolit), umgewandelt. Der Wirkmechanismus ist noch nicht völlig verstanden. In Studien reduzierten Dimethylfumarat und Monomethylfumarat signifikant die Immunzellaktivierung und die nachfolgende Freisetzung von entzündungsfördernden Zytokinen als Reaktion auf Entzündungsstimuli. Darüber hinaus regulierten sie entzündungsfördernde Mediatoren herunter und förderten die Produktion entzündungshemmender Subtanzen. Die Weiterentwicklung soll die gleiche Wirksamkeit bei geringeren Nebenwirkungen bringen. Die komplette Liste aller Neueinführungen findest du hier.

2021 war übrigens ein Rekordjahr, was neue Wirkstoffe angeht: insgesamt kamen 46 Medikamente mit neuen Wirkstoffen auf den Markt. Auch 2022 soll hier in nichts nachstehen – Expert:innen erwarten auch in diesem Jahr mehr als 45 neue Medikamente.

Neue Corona-Maßnahmen

Die Kultusminister:innen aller Bundesländer haben am Donnerstag angesichts der zu erwartenden hohen Infektionszahlen durch die Omikron-Variante neue Corona-Maßnahmen beschlossen. Demnach soll bundesweit die 2G-Plus-Regelung in der Gastronomie gelten, geboosterte Peson werden hiervon ausgenommen. Die Kontaktbeschränkungen für private Treffen bleiben bestehen. Weitere Maßnahmen sind unter anderem:

  • Für Kontaktpersonen, die geboostert, frisch doppelt geimpft, geimpft und genesen oder frisch genesen sind, gibt es keine Quarantäne mehr.
  • Für alle anderen soll die Isolation bzw. die Quarantäne nach zehn Tagen enden.
  • Nach sieben Tagen können sich Infizierte und Kontaktpersonen mittels PCR-Test oder eines zertifizierten Antigen-Schnelltests mit Nachweis allerdings freitesten. 
  • Kürzere Quarantäne für Schulen und Kitas: Kinder und Jugendliche, die Kontaktpersonen sind, können sich nach fünf Tagen in Quarantäne freistesten lassen. Wenn sie infiziert sind, nach sieben Tagen.
  • Bei einer Infektion mit der Omikron-Variante  gibt es auch für Geimpfte keine Ausnahmen

In Quarantäne müssen sich diejenigen begeben, bei denen der Verdacht auf eine Corona-Infektion besteht. Isolieren müssen sich diejenigen, bei denen eine Infektion bereits nachgewiesen wurde. Wenn man sich mit der Omikron-Variante des Coronavirus infiziert hat oder Kontakt zu einem Infizierten hatte, soll man sich für zehn Tage in Isolation beziehungsweise Quarantäne begeben, kann sich aber bereits nach sieben Tagen frei testen (PCR- oder hochwertiger Antigentest).

Spezielle Regeln gibt es zudem für Menschen, die in der kritischen Infrastruktur arbeiten wie Krankenpfleger:innen, Ärzt:innen oder Polizist:innen. Apothekenmitarbeiter:innen wurden nicht explizit genannt, wurden aber in der Vergangenheit ebenfalls zur kritischen Infrastruktur gezählt. Wenn sie Kontaktperson sind, sollen sie künftig die Quarantäne bereits nach fünf Tagen mit einem negativen PCR-Test beenden können, war man selbst infiziert erst nach sieben Tagen, wenn man seit mindestens 48 Stunden symptomfrei ist.

Antigen-Tests weisen Omikron-Infektion sicher nach

Bestimmt bist du in der Apotheke auch schon das ein oder andere Mal von verunsicherten Kund:innen darauf angesprochen worden, ob die Tests, die ihr anbietet, auch die Omikron-Variante nachweisen können. Kürzlich kam diese Frage auf, da eine Veröffentlichung der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA für Verunsicherung sorgte. Offenbar wiesen einige Tests verschiedener Hersteller eine verringerte Sensitivität auf. Hier gibt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wenigstens vorübergehend Entwarnung. Die allermeisten Tests die in Deutschland genutzt werden, können auch eine Omikron-Infektion sicher nachweisen, da bei dieser Variation primär das Spike-Protein von der Mutation betroffen sei. Die Tests weisen aber das Nukleo-Protein (N-Protein) des Coronavirus nach, das sich auch bei der Omikron-Variante kaum verändert hat.

Mönchspfeffer ist Arzneipflanze des Jahres 2022

In jedem Jahr wird die Arzneipflanze des Jahres gekürt. In diesem Jahr hat es der Mönchspfeffer (Vitex agnus castus) ganz oben auf das Siegertreppchen geschafft und wurde von einem interdisziplinären Expertengremium des „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ erwählt. Zubereitungen aus den Samen des Mönchspfeffers sollen dopaminerge Effekte und eine hemmende Wirkung auf die Prolaktin-Freisetzung haben. Sie werden vor allem zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Fertigarzneimittel die entsprechende Pflanzenauszüge enthalten sind beispielsweise Agnucaston (Bionorica), Agnolyt (Madaus) und Cefanorm (Cefak). Die Heilpflanze des Jahres 2022 wurde durch die Jury des NHV Theophrastus gekürt: Es ist die Brennnessel (Urtica dioica).

Ersatzkassen: Neue Ergänzungsvereinbarung zum Arzneiversorgungsvertrag

Zum 1. Januar 2022 gab es Ergänzungen und Änderungen in der Anlage 2 Teil 3 und der Anlage 4 des Arzneiversorgungsvertrages der Apotheken mit den Ersatzkassen. Sie gelten allerdings erst ab dem 1. Februar als verbindlich. Die Quote für Blutzuckerteststreifen der Preisgruppe I wurde für das Jahr 2022 auf 30 Prozent erhöht, die Quote der Preisgruppe II bleibt unverändert. Die Preisberechnung von Verbandstoffen erfolgt außerdem jetzt nicht länger nach der gültigen Arzneimittelpreisverordnung, ab sofort wird ein prozentualer Aufschlag in Höhe von drei Prozent auf den Apothekeneinkaufspreis, zuzüglich eines Festzuschlages von sechs Euro pro Packung zugrunde gelegt.

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