Wochenrückblick: Corona-Impfungen in der Schweiz, Bayer stoppt Produktion, Impfausweis

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Foto: iStock/krisanapong detraphiphat

Die Schweiz lässt jetzt in Apotheken impfen, Bayer muss die Produktion von Bayotensin einstellen und der digitale Impfausweis stellt Deutschland vor neue Herausforderungen – das und viel mehr im heutigen Wochenrückblick.

Schweizer Apotheken beginnen mit COVID-19-Impfungen

In Deutschland gibt es einige Modellregionen, in denen Apotheken gegen die saisonale Grippe impfen – die Schweiz ist da einen Schritt voraus. Seit Donnerstag werden in den Apotheken auch Corona-Impfungen angeboten. Es finden sich bisher 1.100 Impfapotheken, in denen auch Pharma-Assistent:innen – ein Berufszweig, der in etwa der deutschen PTA entspricht – nach entsprechender Weiterbildung impfen dürfen. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz von Seiten der Ärzt:innen kaum Vorbehalte gegen das Impfen in den Apotheken.

Bayotensin akut wird eingestellt

Wie der Hersteller Bayer am vergangenen Mittwoch verkündete, wird die Herstellung des Bluthochdruck-Medikamentes Bayotensin akut aus produktionstechnischen Gründen eingestellt. Das einzigartige Notfallmedikament, das sich die Patient:innen im Fall einer hypertensiven Krise selbst verabreichen können, wird bisher von keiner anderen Firma in dieser Form angeboten: Es enthält den Wirkstoff Nitrendipin. Betroffene müssen aufgrund der Änderung auf einen anderen Wirkstoff (beispielsweise Nifedipin) und eine abweichende Darreichungsform umgestellt werden. Die Auslieferung erfolgt voraussichtlich noch bis Mitte des Jahres. Apotheken, die sich einen kleinen Vorrat in der Apotheke sichern möchten, sollten besser jetzt bestellen.

Chinesischer Corona-Totimpfstoff im EMA-Prüfverfahren

Neben den Impfstoffen von AstraZeneca, BioNTech/Pfizer, Moderna, Johnson & Johnson und dem russischen Impfstoff Sputnik könnte Europa bald einen neuen Impfkandidaten begrüßen. Einer der chinesischen Impfstoffe befindet sich seit dem 04. Mai in einem sogenannten „Rolling Review“-Verfahren zur Zulassung durch die EMA. Der Impfstoff der Firma Sinovac hat laut Herstellerangaben in Phase-III-Studien nach 14 Tagen eine Impfwirksamkeit gegen Infektionen – mit oder ohne Symptomen – von 50,65 Prozent, im Falle einer erforderlichen medizinischen Behandlung von 83,70 Prozent sowie für schwere und tödliche Verläufe von 100 Prozent gezeigt.

Lockerungen für Corona-geimpfte Personen

Zweifach geimpfte Bürger:innen dürfen sich ab diesem Wochenende auf Lockerungen freuen. Für sie sollen – wie auch für von der Krankheit Genesene – keine Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen mehr gelten, sobald 14 Tage nach der zweiten Impfung vergangen sind. Der Bundesrat billigte am Freitag die neuen Regeln. Bei Zusammenkünften mit Nichtgeimpften werden sie nicht mehr als zusätzlicher Haushalt gezählt und es gelten auch keine Obergrenzen in der Zahl der zusammenkommenden Personen mehr. Wer von einer Auslandsreise zurückkehrt, muss in Quarantäne, wenn es sich um ein Varianten-Risikogebiet handelt. Das Terminshopping und der Friseurbesuch sind ohne einen aktuellen Corona-Test möglich. Weiterhin hat aber die Maskenpflicht und das Abstandsgebot in öffentlichen Räumen Bestand.

Dritte Welle gebrochen?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler zufolge scheint die dritte Corona-Welle gebrochen. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag erklärte Spahn, dass es nun darauf ankomme, den positiven Trend der letzten Wochen zu verstetigen. Das gehe aber nicht mit vorschnellen Lockerungen, diese müssten kontrolliert vorgenommen werden und eben für geimpfte und genesene Personen. Wieler ergänzte, vor umfangreichen Lockerungen müssten „deutlich über 80 Prozent“ der Bürger gegen das Virus immunisiert sein. Dann werde es zwar noch Infektionen geben, aber keine neuen Wellen mehr. Man müsse die Virusvarianten weiter im Blick behalten, vor allem im Hinblick auf ihre Ansteckungsrate.

Impfausweis aus der Apotheke – ja oder nein?

Um die ab dem Wochenende geltenden Lockerungen für zweifach geimpfte Personen in Anspruch zu nehmen, benötigen die betroffenen einen Nachweis über die erfolgten Impfungen. Der bislang gültige Impfpass ist bisher nur in der „analogen“ Form als gelbes Büchlein vorhanden und nicht fälschungssicher. Auch wenn das Fälschen des WHO-Impfbuchs als Urkundenfälschung gilt, wäre seine digitale Form in jedem Fall sicherer. Der digitale Ausweis wird vom Bundesgesundheitsministerium bis Ende Juni erwartet. Ausgeben dürfen die QR-Codes für die Impf-App vermutlich nur Ärzt:innen und die Impfzentren. Obwohl Bundesgesundheitsminister Spahn diese zunächst über Apotheken geplant hatte, wurden derartige Überlegungen am vergangenen Dienstag aufgrund der möglichen erhöhten Fälschungsgefahr abgelehnt. Erfahre mehr zum Thema "Digitaler Impfpass" in unserem aktuellen Artikel.

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