Wochenrückblick 21. bis 25. September 2020

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Grundsätzlich dürfen die Apotheken weiterhin Desinfektionsmittel für die Hände herstellen – voraussichtlich bis zum 5. April 2020. Doch ab dem 7. Oktober 2020 ergeben einige Änderungen.

Desinfektionsmittelherstellung in der Apotheke
Grundsätzlich dürfen die Apotheken weiterhin Desinfektionsmittel für die Hände herstellen – voraussichtlich bis zum 5. April 2020. Doch ab dem 7. Oktober 2020 ergeben sich aufgrund einer neuen Allgemeinverfügung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) einige Änderungen, an die du denken musst. Beispielsweise darf 1-Propanol nicht mehr als Ausgangsstoff für Desinfektionsmittel verwendet werden. Zusätzlich müssen Apotheken die Menge ihrer selbst hergestellten Desinfektionsmittel am Ende des Monats elektronisch an die Bundesstelle für Chemikalien und an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) melden. Flächendesinfektionsmittel dürfen ab dem 30. September in den Apotheken weder hergestellt noch an die Kunden abgegeben werden. Weitere Details zur Allgemeinverfügung findest du hier.

Neue Strategien gegen Corona
Laut Ankündigung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn wird es im Herbst und Winter eine neue Strategie zur Bekämpfung von Corona-Neuinfektionen geben. Patienten mit Symptomen, wie sie bei Grippe- oder Corona-Erkrankungen auftreten können, sollen sich damit nicht an ihren Hausarzt wenden. Es sollen zentrale Anlaufstellen – beispielsweise örtliche Fieberambulanzen – zugänglich gemacht werden. Zusätzlich betonte Spahn, dass präventive Reihentests in sensiblen Bereichen (Pflegeheime etc.) ein fester Bestandteil werden sollen. Vermehrte Antigen-Schnelltests und die Quarantäne-Zeit für Reiserückkehrer aus Risikogebieten werden ebenfalls angepasst.

Brucella-Erreger aus Labor in China entwichen
Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, kam es im Sommer 2019 in einem stattlichen chinesischen Labor zu einer Panne, bei der Brucella-Bakterien freigesetzt wurden. Da abgelaufenes Desinfektionsmittel zum Einsatz kam, konnten sich die überlebenden Erreger über Aerosole verbreiten, die sich zunächst über das Lüftungssystem im angrenzenden veterinärmedizinischen Forschungsinstitut verteilten. Der Wind trug die kontaminierten Abgase noch bedeutend weiter. Eine vorsorgliche Testung von 21.847 Menschen der angrenzenden 2,9 Millionen Einwohner großen Stadt Lanzhou offenbarte 3.245 Menschen positiv getestete Personen und 1.401 Verdachtsfälle. Eine Brucellose äußert sich in Fieberschüben, Nachtschweiß, Schüttelfrost und Übelkeit. Akut dauert die Krankheit zwei bis drei Wochen, chronisch über mehrere Monate an. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen tritt eine Leber- und Milzschwellung auf. Auch Knochen- und Gelenkinfektionen, urogenitale Entzündungen oder Herzklappenentzündungen sind möglich. Bei chronischen Verläufen zeigen sich psychische Veränderungen wie Depressionen oder Schlaflosigkeit. Rückfälle können bis zu zwei Jahre nach der Ersterkrankung auftreten.

Erweiterung der Äquivalenzdosistabellen
Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) hat bekannt gegeben, dass ihre Äquivalenzdosistabellen erweitert wurden. Falls ein Medikament nicht lieferbar ist und es kein wirkstoffgleiches Austauschpräparat gibt, kann mithilfe der Vergleichstabellen ein Aut-simile-Ersatz gesucht werden. Nach Rücksprache mit dem verordnenden Arzt darf das Medikament abgegeben werden. Die Tabelle umfasst derzeit:

  • ACE-Hemmer
  • Angiotensin-II-Rezeptorblocker
  • Antibiotika – Erwachsene/Kinder
  • Antidepressiva
  • Antidiabetika
  • Antipsychotika: klassisch & atypisch
  • Benzodiazepine
  • Betablocker
  • Bisphosphonate
  • Calciumantagonisten
  • Diuretika
  • H1-Antihistaminika
  • Inhalative Corticosteroide
  • Nichtopioide Analgetika: Erwachsene/Kinder
  • Orale Glucocorticoide
  • Protonenpumpeninhibitoren
  • Statine
  • Triptane
  • Urologika


Fortsetzung der Botendienst-Vergütung
Am 30. September 2020 läuft die Botendienst-Vergütung von fünf Euro plus Umsatzsteuer aus. Pro Haushalt durfte diese Pauschale einmal am Tag für rezeptpflichtige Arzneimittel abgerechnet werden. Der in dieser Woche bekannt gewordene Referentenentwurf zur Änderungsverordnung zur SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung sieht vor, dass der Botendienst über dieses Datum hinaus in Rechnung gestellt werden darf – allerdings nur noch in halber Höhe. Zwei Euro fünfzig als Vergütung für Botendienste sind zurzeit auch im VOASG verankert. Vielen Apothekern ist dieser Betrag zu gering, da er die Kosten nicht deckt.

Sumatriptan wird OTC
Wie Naratriptan und Almotriptan wird nach einer Entscheidung des Bundesrates Sumatriptan bald ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sein. Die Diagnose Migräne muss zuvor durch einen Arzt gestellt werden. Pro abgeteilter Einzeldosis (in fester Form zur oralen Einnahme) dürfen maximal 50 Milligramm verblistert werden; in einer Packung dürfen sich bis zu 100 Milligramm Sumatriptan-Tabletten befinden. Zusätzlich ist Ibuprofen in flüssiger Form als Monopräparat rezeptfrei für Kinder ab drei Monaten zugelassen. Bisher galt die Grenze von 6 Monaten.

 

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