Rx-Beratung: Das hilft bei Bluthochdruck

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Foto: iStock/Natali_Mis

Ein hoher Blutdruck verursacht keine Schmerzen und die Patient:innen fühlen sich meistens gut. Doch Bluthochdruck birgt gefährliche Risiken. Warum und welche Medikamente eingesetzt werden, erfährst du hier.

Wie bei einem Wasserschlauch, der unter Druck steht, dehnen sich die Blutgefäße bei Bluthochdruck aus und ihre Wandung wird dünner sowie porös. Herz- und Gefäßerkrankungen sowie Nierenversagen oder Schlaganfall können bei langfristigem Bluthochdruck die Folgen sein. Daher wird er – wenn nötig – mit Medikamenten gesenkt. Die ideale Therapie ergibt sich aus der ärztlichen Diagnose sowie der empfohlenen Dosierung – doch musst du deine Kundschaft zu den möglichen Medikamenten aufklären und beraten können. An dieser Stelle kannst du dein Wissen über Blutdrucksenker auffrischen.

Medikamente gegen Bluthochdruck

Bei Bluthochdruck gibt es verschiedene Medikamentengruppen – häufig in einer Kombination von zwei oder drei Wirkstoffen –, die die Patient:innen gleichzeitig verordnet bekommen.

  1. ACE-Hemmer (Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer) haben einen lebenszeitverlängernden Effekt. Sie hemmen das Angiotensin-Converting-Enzym, das Angiotensin I in das blutdrucksteigernde Hormon Angiotensin II umwandelt, indem sie sein aktives Zentrum blockieren. Darüber hinaus wird die Magnesium- und Kaliumbilanz positiv beeinflusst und es kann dazu beitragen, dass sich ein krankhaft vergrößertes Herz wieder verkleinert. Arrhythmien wird vorgebeugt. ACE-Hemmer gelten zudem als nephroprotektiv, da sie das Fortschreiten von Nierenerkrankungen durch hohe Blutdruck- und Blutzuckerwerte verlangsamen. Zu den ACE-Hemmern gehören beispielsweise Benazepril, Captopril, Enalapril, Lisinopril, Quinapril und Ramipril.
  2. Betablocker senken den Blutdruck, indem sie Adrenalin von den Beta-1-Rezeptoren des Herzmuskels verdrängen. Dadurch verlangsamt sich der Herzschlag, das Herz muss weniger arbeiten und erholt sich. Für deine Kund:innen ist die Information wichtig, dass sie ein- und ausschleichend dosiert werden müssen, um keine plötzlichen Blutdruckanstiege oder -abfälle auszulösen. Der Effekt von Betablockern setzt meist erst nach einigen Wochen der Einnahme komplett ein. Häufig verordnete Betablocker enthalten die Wirkstoffe Atenolol, Bisoprolol, Carvedilol, Metoprolol und Nebivolol.
  3. Diuretika sind entwässernde Medikamente, die die Nierentätigkeit beeinflussen und Wasser aus dem Körper ausschwemmen, damit der Druck in den Blutgefäßen sinkt. Schleifendiuretika greifen dabei im aufsteigenden Teil der Henle-Schleife der Niere an und hemmen die Rückresorption von Natrium-, Kalium- sowie Chloridionen aus dem Primärharn in den Körper. Die erhöhte Salzkonzentration im Harn sorgt dafür, dass sich die Wassermenge osmotisch erhöht und dem Körper Wasser entzogen wird. Dadurch sinkt der Blutdruck automatisch. Zu den bekanntesten Schleifendiuretika zählen die Sulfonamid-Derivate Furosemid, Piretanid und Torasemid. Eine ähnliche Wirkung entfalten Sulfonamide, die nur an einem anderen Punkt angreifen. Die Thiaziddiuretika hemmen die Rückresorption der Natriumionen im letzten Abschnitt des Nierentubulus. Zu ihnen gehören vor allem Hydrochlorothiazid, aber auch die Thiazid-Analoga Chlortalidon, Clopamid, Indapamid und Xipamid. Ihr Nachteil liegt darin, dass sie ebenfalls Kalium und Magnesium ausschwemmen, die ersetzt werden müssen. Daher werden kaliumsparende Diuretika wie Amilorid und Triamteren eingesetzt. Sie hemmen die Kaliumionensekretion, was auf Dauer zu einer Hyperkaliämie führen kann. Auch Spironolacton und Eplerenon gehören zur Gruppe der kaliumsparenden Diuretika. Sie sind Aldosteronantagonisten und besetzen die gleichen Rezeptoren in den Tubuluszellen der Nieren. Das Steroidhormon Aldosteron bewirkt eine gesteigerte Rückresorption von Natrium und Wasser.
  4. Calciumantagonisten weiten die Gefäße, indem sie den Calciumeinstrom in die Zellen der glatten Muskulatur arterieller Gefäße hemmen. Somit hat das Blut in den entspannten Gefäßen mehr Platz. Es kann sich besser verteilen und der Blutdruck sinkt. Sie werden auch Calciumkanalblocker genannt. Zu ihnen gehören beispielsweise Nifedipin, Diltiazem und Verapamil.
  5. Sartane (Angiotensin-Rezeptor-Blocker) heben die Wirkung des blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin auf. Anders als ACE-Hemmer blocken sie keine enzymatischen Reaktionen, sondern sie heben die Wirkung von Angiotensin II direkt am AT1-Rezeptor auf. Daher heißen sie auch Angiotensin-Antagonisten oder AT1-Rezeptorblocker. Bekannte Wirkstoffe sind Candesartan, Irbesartan, Losartan oder Valsartan.
  6. Weitere eingesetzte blutdrucksenkende Medikamente wirken über eine Gefäßerweiterung – beispielsweise selektive Alpha-1-Rezeptorenblocker. Sie heben als Antagonisten an α1-Adrenozeptoren die vasokonstruktive Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin auf. Zu dieser Wirkstoffklasse gehören Doxazosin und Urapidil. Sie wirken – wie auch die Antisympathotonika Clonidin, Methyldopa und Moxonidin oder der Vasodilatator Minoxidil – nur in der Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Medikamenten sinnvoll.

Wenn die Patient:innen besonders hohe Werte haben, werden häufig mehrere Wirkstoffgruppen kombiniert. Um die Compliance aufrechtzuerhalten, werden sie inzwischen als sogenannte „Single pills“ verordnet, damit nicht mehrere Medikamente eingenommen werden müssen. Zusätzlich zur gesteigerten Therapietreue kommt man bei der Ein-Tabletten-Variante mit einer geringeren Wirkstoffmenge bei den Einzelsubstanzen aus. Das verringert die Häufigkeit der Nebenwirkungen. Dabei gibt es Duale oder Triple-Fixkombinationen aus ACE-Hemmer oder einem Sartan mit einen Calciumantagonisten oder einem Diuretikum. Falls der Bluthochdruck immenser ist, kommt eine zweite Tablette mit einem weiteren Diuretikum, einem Alpha- oder Beta-Blocker hinzu.

Wirkstoffgruppen bei Bluthochdruck: Nebenwirkungen

Jede Wirkstoffgruppe kann zu spezifischen Nebenwirkungen führen, die du in der Beratung deiner Kund:innen kennen solltest. Trockener Reizhusten ist als häufigste Nebenwirkung von ACE-Hemmern bekannt. Gerade während der Corona-Pandemie solltest du bedenken, dass auch eine Störung des Geschmacksempfindens und Schleimhautschwellungen bei der Einnahme von ACE-Hemmern vorliegen kann. Falls zum Bluthochdruck eine Nierenerkrankung – zum Beispiel eine Nierenarterienstenose oder Hypovolämie – vorliegt, die betroffene Person unter schwerer Herzinsuffizienz leidet oder sie bereits eine Hochdosistherapie mit Diuretika bekommt, sind ACE-Hemmer ungeeignet. Sie reduzieren die Nierendurchblutung. Auch in der Schwangerschaft dürfen ACE-Hemmer nicht eingenommen werden. Sie könnten das ungeborene Kind schädigen. Die Nebenwirkungen der Sartane sind übrigens sehr ähnlich, lösen aber seltener den bekannten trockenen Hustenreiz aus. Sie dürfen ebenfalls nicht während der Schwangerschaft eingesetzt werden.

Betablocker können die unteren Atemwege – vor allem der Bronchien – verengen. Menschen mit Asthma oder sehr sportliche Personen dürfen sie nicht einnehmen, da sie zu Kurzatmigkeit führen können.

Bei Diuretika gehört besonders in den ersten Tagen der Therapie ein gesteigerter Harndrang dazu. Falls die Behandlung mit einer niedrigen Dosis beginnt, hält sich diese Nebenwirkung glücklicherweise in Grenzen. Der gesteigerte Urinabfluss kann jedoch zu Mundtrockenheit oder in schwereren Fällen zu Verwirrtheit führen, wenn nicht genug Flüssigkeit aufgenommen wird.

Calciumantagonisten können dagegen für eine unnatürliche Gesichtsrötung oder Hautausschläge verantwortlich sein. Auch Herzklopfen, Schwellungen an den Knöcheln, Verstopfung und ein Spannungsgefühl in den Unterschenkeln gehören zu den häufiger auftretenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen.

Rx-Beratung: Das solltest du ebenfalls beachten

Bei der Beratung ist der Medikamenteneinfluss auf den Vitamin- und Mineralstoffhaushalt des Körpers relevant. Bei Menschen, die einen hohen Blutdruck haben und mit ACE-Hemmern behandelt werden, tritt häufig ein begleitender Magnesiummangel auf. Magnesium ist bekannterweise ein Calciumantagonist und hat damit einen eigenen Einfluss auf die natürliche Blutdrucksenkung. Du kannst es daher dazu empfehlen.

Während die kaliumsparenden Diuretika den Magnesiumhaushalt kaum beeinflussen, schwemmen Schleifendiuretika und Thiazide den wichtigen Mineralstoff aus dem Körper. Symptome für einen Magnesiummangel sind vor allem Zuckungen der Muskeln, Muskelkrämpfe, Schwindel, Verdauungsbeschwerden mit Durchfall oder Verstopfung oder beides im Wechsel, ständige Müdigkeit, Reizbarkeit trotz genügend Schlaf, Herzrasen, Arrhythmien, Kopfschmerzen und innere Unruhe.

Die gleichen Medikamente, die einen Magnesiummangel hervorrufen können, werden in der Regel auch für einen Zinkdefizit des Körpers verantwortlich gemacht. Die Nebenwirkung der ACE-Hemmer – Geschmacksstörungen oder Appetitlosigkeit – werden in manchen Fällen auf einen Zinkmangel zurückgeführt. Gleichzeitig können Symptome wie Infektanfälligkeit, ein gestörtes Hautbild mit Dermatitiden und eine gestörte Wundheilung auftreten. Haarausfall oder wiederkehrende Durchfälle können auf einen Zinkmangel hinweisen. Frage einfach gezielt bei den Patient:innen, die in Langzeitbehandlung sind, nach diesen Symptomen.

Die Einnahme von Furosemid führt häufig zu einem Vitamin-B1(Thiamin)-Mangel. Das kann zu Schlafstörungen und Gewichtsverlust durch anhaltende Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schmerzen in den Muskeln – oft in Verbindung mit Wadenkrämpfen – oder unerklärlicher Reizbarkeit und Depressionen führen. Auch Ödeme und eine Herzmuskelschwäche können mit einem Thiamin-Mangel zusammenhängen.

Auch der Folsäurehaushalt wird durch die Einnahme von Diuretika negativ beeinflusst. Triamteren ist beispielsweise ein direkter Folsäure-Antagonist, Thiazide sogen dafür, dass es ausgeschwemmt wird und Furosemide stören die Resorption. Ein Folsäuremangel äußert sich ähnlich wie ein Vitamin-B1-Mangel. Zusätzlich treten Probleme mit der Zunge auf: Sie kribbelt oder brennt in manchen Fällen, entzündet sich oder fühlt sich extrem glatt an. Auch Atemwegsbeschwerden oder entzündete Schleimhäute können vorkommen. Bei der Einnahme von Schleifendiuretika sollte Calcium supplementiert werden, damit die Knochendichte erhalten bleibt.

Die Beratung zu rezeptpflichtigen Medikamenten ist ein umfassendes und essenzielles Thema – für dich und die Gesundheit deiner Kundschaft.

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