Ringversuch: Hydrochlorothiazid-Kapseln für Kinder

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Foto: AMIRA-Redaktion

Beim ersten Kapsel-Ringversuch 2021 des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL) soll der Wirkstoff Hydrochlorothiazid (HCT) in pädiatrischer Dosierung verarbeitet werden. Hier kommen Tipps für die Herstellung.

HCT-Kapseln in der Stärke 5 mg werden in der Pädiatrie aufgrund der diuretischen Effekte des Arzneistoffs im Rahmen einer antihypertensiven Therapie eingesetzt. Um die Kapseln regelkonform herzustellen, müssen einige Dinge beachtet werden. Bei solch niedrig dosierten Kapseln eignet sich als Herstellungsmethode die Gravimetrische Methode und die Kapselgröße 1. Außerdem musst du darauf achten, dass bei HCT aufgrund der Arzneibuchspezifikation eine Einwaagekorrektur erforderlich sein kann. Der Einwaagekorrekturfaktor wird bei den meisten Firmen auf dem Zertifikat ausgewiesen.

Außerdem solltest du für die Herstellung idealerweise nur eine mikrofeine Ausgangssubstanz benutzen. Ist die Reinsubstanz nicht verfügbar, kann auch auf eine Herstellung aus Fertigarzneimitteln (FAM) zurückgegriffen werden. Hier kannst du nachlesen, was du bei der Herstellung von Kapseln aus FAM beachten musst.

Ringversuch: Wirkstoffberechnung (Reinsubstanz)

Zunächst musst du die Wirkstoffmenge berechnen. Bei 60 Kapseln mit je 5 mg sieht die Rechnung folgendermaßen aus:

60 x 0,005 g x Einwaagekorrekturfaktor HCT x 10 % Wirkstoff-Produktionszuschlag (ergibt ungefähr 0,33 g)

Die Mehreinwaage ist nötig, weil bei der Herstellung von Kapseln, bedingt durch den komplizierten Herstellungsprozess, in der Regel Substanz verloren geht. Um das auszugleichen, wird im DAC/NRF bei HCT-Kapseln in dieser Dosierung eine Mehreinwaage von 10 % empfohlen. Eine genaue Rechnung ist nicht möglich, da der Einwaagekorrekturfaktor je nach verwendeter Charge variiert.

Füllstoffberechnung

Als Füllstoff solltest du das Mannitol-Siliciumdioxid-Füllmittel (Vorschrift S.38 im DAC/NRF) benutzen, da hier die Schüttdichte bekannt ist. Du kannst es entweder nach Vorschrift aus 99,5 % Mannitol und 0,5 % Siliciumdioxid selbst herstellen oder als fertige Mischung über den Großhandel beziehen.

Eine Kapsel der Größe 1 kann 0,275 g Füllstoff aufnehmen, abzüglich der individuell errechneten Wirkstoffmasse. Die Berechnung erfolgt wie folgt:

60 x 0,275 g – Wirkstoffberechnung (ergibt ungefähr 16,17 g)

Herstellung

Schritt 1: HCT und Mannitol-Siliciumdioxid-Füllmittel werden getrennt nach Nullstellung der Waage auf dunklen Wägeunterlagen gewogen.

Schritt 2: Vom Mannitol-Siliciumdioxid-Füllmittel wird so viel in einer mit Pistill tarierten, glatten Schale vorgelegt, wie dem höchstens Zehnfachen der Wirkstoffmenge entspricht – also weniger als 3,3 g. Dann fügst du das HCT hinzu. Inprozesskontrolle: Die dunkle Wägeunterlage, die du für HCT verwendet hast, musst du nun rückwiegen. Der angezeigte Wert darf nicht höher sein als 1,0 Prozent der Wirkstoffmasse, muss also unter 0,0033 g liegen.

Schritt 3: Dieser Ansatz wird dreimal für je 30 Sekunden ohne Druck mit einem Kartenblatt vermischt. Dazwischen und abschließend wird abgeschabt. Das restliche Mannitol-Siliciumdioxid-Füllmittel wird hinzugefügt und der Ansatz erneut dreimal für je 30 Sekunden unter Abschaben vermischt. Nun sollte das Pulver gleichmäßig aussehen. Falls noch Klümpchen enthalten sind, musst du diese leicht mit dem Kartenblatt zerteilen können.

Schritt 4: Das Pulver wird portionsweise auf den Stegen des Kapselbrettes mittels der Spargelbeetmethode verteilt und mit einem annähernd senkrecht gehaltenen Kartenblatt gleichmäßig in die Kapselunterteile eingestrichen, bis diese vollständig befüllt sind. Ein geringer Pulverüberstand darf und soll dabei noch vorhanden sein.

Schritt 5: Das Kapselfüllgerät wird jetzt leicht auf die Arbeitsplatte aufgeklopft, damit sich die Pulveroberfläche leicht absenkt. Den leichten Pulverüberstand kannst du nun gleichmäßig in die Kapselunterteile einstreichen. Dieser Vorgang wird gegebenenfalls wiederholt. Schritt 5 kann entfallen, wenn alle Kapselunterteile bereits vorher vollständig und ohne Pulverüberstand befüllt sind.

Schritt 6: Nun kannst du die Kapseln verschließen und aus dem Kapselfüllgerät entnehmen. Sie sollten nun oberflächlich und hinsichtlich ihres Füllungsgrades gleichmäßig aussehen. Der Kapseloberfläche dürfen nur einzelne Pulverteilchen anhaften, die du gegebenenfalls durch Rollieren auf einem Baumwolltuch oder Fließpapier entfernen kannst.

Schritt 7: Die hergestellten Kapseln müssen den Prüfungen auf Masseneinheitlichkeit, Masseverlust und Masserichtigkeit entsprechen. Dazu findest du eine Rechenhilfe „Pulvergefüllte Hartkapseln“ bei den DAC/NRF-Tools. Hier musst du nur zehn Kapseln einzeln einwiegen und diese Werte in das Dokument eintragen. Ob diese den Vorgaben entsprechen, rechnet das Tool selbst aus.

Wichtig zu wissen: Der Snapfit-Verschluss sollte bei Kapseln für (Klein-) Kinder nicht eingerastet werden, da Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder keine Kapseln schlucken können. Sie dienen in diesem Fall tatsächlich nur als Packmittel, aus dem der Inhalt ausgefüllt und mit Flüssigkeit oder Nahrung verabreicht wird.

Abfüllung

Wenn alles den Vorgaben entspricht, kannst du das Etikett generieren. Folgende Angaben sollten hier nicht fehlen:

  • Individuelle Gebrauchsanweisung des ZL, zum Beispiel: „X-mal täglich 1 Kapsel“
  • Die Verwendungsweise: „Kapselinhalt ausfüllen und mit Flüssigkeit oder Nahrung verabreichen“
  • Die Verwendbarkeitsfrist: „Verwendbar bis …“ (ein Jahr nach Herstellungsdatum)

Zu den geeigneten Abgabegefäßen gehören eine Dose, ein Weithalsglas oder eine spezielle Kapseldose.

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