Rauchstopp: So motivierst du deine Kundschaft

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Foto: iStock/ ediebloom

Das neue Jahr beginnt wie oft mit guten Vorsätzen – erfahrungsgemäß steigt dann die Nachfrage nach Nikotinersatzpräparaten. Mit unseren praktischen Tipps kannst du deine Kundschaft motivieren mit dem Rauchen aufzuhören.

So wie Bridget Jones – die tollpatschige Antiheldin der Romanreihe Helen Fieldings – geht es vielen Menschen um Silvester herum, die dem Glimmstängel entsagen möchten. In ihrem Tagebuch notiert sie akribisch ihre Abstinenzfortschritte: „9 Zigaretten (schon besser)“ … Schon am Neujahrstag zählt sie 22 Zigaretten. Doch statt sich in ihren Fehlern zu suhlen, notiert sie ihre Misserfolge und Erfolge. Damit unterstützt sie unwissentlich eine Methode aus der Psychologie. Studien haben ergeben, dass das Niederschreiben von Zwischenzielen zu höheren Erfolgsquoten führt.

Zu dieser Möglichkeit gesellen sich viele weitere, um eine Raucherentwöhnung zu erleichtern. Schließlich verfügen Apotheken über qualitativ hochwertige Präparate zur Nikotinersatztherapie (NET).

Im Apothekenalltag nachgefragte Produkte sind Kaugummis, Pflaster sowie Inhalatoren mit dem Wirkstoff Nikotin. Besonders in der schwierigen Anfangsphase der Raucherentwöhnung fehlt nicht nur das Nikotin, sondern auch die beruhigende „Hand-zu-Mund-Bewegung“. Man sieht es auch bei Bridget Jones in mehreren Filmszenen: Wenn der Stress besonders groß wird, raucht sie eine Zigarette nach der anderen. Hier kann der Einsatz von Nikotin-Inhalatoren von Vorteil sein.

Raucherentwöhnungs-Methoden

Grundsätzlich stehen zwei Methoden zur Wahl. Der „sofortige Rauchstopp“ oder die „Reduktionsmethode“. Der „sofortige Rauchstopp“ wird auch „Schlusspunktmethode“ genannt. Er eignet sich eher für hochmotivierte und ehrgeizige Menschen. Dazu nimmt man sich einen bestimmten Tag X vor, ab dem das Rauchen vollkommen eingestellt werden soll. Die Methode erfordert eine gute mentale und praktische Vorbereitung.

Bei Rauchverlangen wird bereits im Vorhinein ein Ersatzmittel gewählt. Das Nikotinersatzpräparat (NEP) oder eine Nikotinersatzhandlung (z. B. ein kleiner Snack oder eine beruhigende Musik) wird stets griffbereit gehalten. Die Dosierung für das Nikotinersatzmittel bei plötzlichem Rauchverlangen richten sich nach den Herstellerangaben.

Die Reduktionsmethode

Diese Behandlung eignet sich für Men­schen, die sich keinen sofortigen Rauch­stopp vorstellen können. Ziel der Methode ist es, den Zigarettenkonsum schrittweise durch eine Ersatztherapie (z. B. einen Nikotinkaugummi) oder eine Ersatzhandlung auszutauschen. Nach und nach werden alle Zigaretten durch ein Therapiemittel er­setzt. Die rauchfreien Zeiten werden wei­testmöglich ausgedehnt. Ist die letzte Zigarette durch ein anderes Mittel erneuert und der Patient bzw. die Patientin sicher, keinen Rückfall zu erleiden, startet die Re­duktion des Ersatzmittels. Wenn es einmal täglich genutzt wird, kann das vollständi­ge Absetzen versucht werden. Für plötz­liches Verlangen wird wie bei der anderen Methode stets ein NEP griffbereit gehalten.

Ziel der NEP

Bei der Nikotinersatztherapie mit NEP wird im Blut ein niedrigerer Nikotinersatzspiegel als mit Zigaretten erreicht. Auch gelangt das Nikotin langsamer als mit dem Glimmstän­gel in das Blut, was den suchtauslösenden Kick ausschaltet. Viele Menschen sind nach drei bis sechs Monaten entwöhnt. Ab neun Monaten sollte professionelle Hilfe hinzu­gezogen werden. Eine erste Zigaretten­reduktion sollte sich nach sechs Wochen bemerkbar machen. Andernfalls sollte da­nach ärztlicher Rat eingeholt werden. Möglicherweise ist dann eine Kombitherapie aus Pflaster und Inhalationen sinnvoller.

Eine weitere Methode: E-Zigaretten

E-Zigaretten scheinen effektiver als die An­wendung von NET. Eine randomisierte Stu­die aus dem Jahr 2019 legt nahe: Mithilfe der E-Zigarette waren nach einem Jahr 18 Prozent der Raucher:innen der E-Zigarette tabakabstinent, dagegen nur 9,9 Prozent der NET-Anwender:innen. Zu dieser Metho­de gibt das Deutsche Krebsforschungszent­rum (DKFZ) zu bedenken: „Im Vergleich zu Tabakzigaretten sind E-Zigaretten zwar sehr wahrscheinlich deutlich weniger schäd­lich, dennoch sind sie keine harmlosen Life-Style-Produkte.“ Die meisten Schad­stoffe liegen in geringerer Konzentration als in Zigaretten vor. Einzelne Substanzen wie Formaldehyd, Blei und Chrom sind in ähn­licher Höhe und ein Bestandteil (Nickel) in höherer Konzentration enthalten. Auch auf beigesetzte Geschmacksaromen ist zu ach­ten – sie können giftig sein. In der Leitlinie „Rauchen und Tabakabhängigkeit“ wird die Anwendung von E-Zigaretten hinsichtlich der Reduktion des Zigarettenkonsums nicht empfohlen.

Praktische Tipps für deine Kundschaft – ideal auch als Ausdruck zum Mitgeben

1.) Motivieren Sie sich mit einem Geldplan. Sie sparen monatlich eine bestimmte Summe X. Wofür können Sie das Geld guten Gewissens ausgeben?

2.) Ein Schlusspunkt-Datum festlegen. Viele beginnen mit dem Vorsatz am ersten Tag des neuen Jahres. Ein bestimmter Tag hilft Ihnen mental, wirklich aufzuhören.

3.) Hängen Sie sich eine Liste an den Kühlschrank. Notieren Sie die wichtigsten Gründe für ein Leben ohne Zigaretten. In schweren Zeiten einen Blick darauf werfen. Sie können diese Methode verfeinern. Machen Sie immer einen Strich auf der Liste, wenn Sie sich eine akute Zigarettenlust verkniffen haben.

4.) 5-Minuten-Strategie: Das plötzliche Verlangen kann bis zu 5 Minuten andauern. Überlegen Sie 3 oder 4 Dinge, mit denen sie diese Zeit überbrücken. Zum Beispiel Musik hören, einen Orangensaft pressen, eine Rechnung überweisen.

5.) Die Vertröstungs-Strategie: Sagen Sie sich, dass Sie in 10 Minuten eine Zigarette rauchen können. Lenken Sie sich sofort mit einem Buch oder einer Tasse Tee ab. Bis dahin ist das akute Verlangen verflogen.

6.) Verbringen Sie mehr Zeit mit Nichtraucher:innen. So vermeiden Sie das gemeinschaftliche Rauchen. Meiden Sie Partys mit Raucherfreund:innen.

7.) Bleiben Sie stets positiv. Denken Sie in einer Versuchung an alles andere Positive, nur nicht an eine Zigarette. Denken Sie an schöne Zeiten, ein Lieblingsessen, Erfolge, einen bestimmten Duft …

8.) Planen Sie Sport oder Bewegung ein. Ein schneller Spaziergang an der frischen Luft lenkt ab, schüttet Glückshormone aus und verhindert eine Gewichtszunahme.

9.) Reden Sie darüber. Zigarettengelüste sind nicht zum Schämen, sondern bei einer Entwöhnung ganz normal. Erzählen Sie davon Freund:innen oder der Familie. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

10.) Lernen Sie aus einem Rückfall. Wussten Sie, dass fast 65 Prozent der Menschen, die mit dem Rauchen aufhören, in der ersten Woche einen Rückfall erleiden? Eine gerauchte Zigarette bedeutet nicht das Aus. Sehen Sie es als Chance, die Methoden zu überdenken.

 

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