Obstipation bei Kindern – was kann helfen?

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Foto: iStock/CareyHope

Häufig kommen besorgte Eltern in die Apotheke, die etwas gegen Obstipation für ihr Kind brauchen, das schon „so lange keinen Stuhlgang“ mehr hatte und deswegen Bauchschmerzen habe. Was kannst du ihnen raten?

Eine Obstipation ist als eine zu seltene Stuhlentleerung definiert, die Beschwerden verursacht. Eine „normale“ Häufigkeit hängt vom Alter und den Ernährungsgewohnheiten des Kindes ab und ist auch individuell verschieden. Ein gestillter Säugling kann vier- bis fünfmal täglich Stuhlgang haben oder auch nur einmal wöchentlich, ohne dass Grund zur Sorge besteht.

Wenn bei einem Kind jedoch Beschwerden auftreten – wie Bauchschmerzen oder harter Stuhl, der nur unter Schmerzen und mit großer Anstrengung seltener als dreimal pro Woche abgesetzt werden kann –, handelt es sich um eine Obstipation. In diesem Fall sollte schnell gehandelt werden.

Wie kommt es zu einer Obstipation?

Oft sind Veränderungen im normalen Tagesablauf des Kindes für die Verstopfung verantwortlich. Die Umstellung von Brust- bzw. Flaschenmilch auf Beikost, ungewohnte Nahrung, eine lange Reise, Bewegungsmangel, psychische Belastungen (Geburt eines Geschwisterkindes, Konflikte in der Familie, Umzug oder Trauer) oder zu wenig Flüssigkeit können die normale Stuhlentleerung behindern bzw. negativ beeinflussen. Der Stuhl verbleibt im Enddarm und wird härter, sodass die nächste Entleerung mühsamer und vor allem schmerzhaft sein kann, da es zu kleinen Einrissen am Darmausgang kommen kann. Um diese Schmerzen zu vermeiden, wird der Stuhlgang häufig von den Kindern unterdrückt und ein Teufelskreis entsteht.

Weitet sich der Enddarm aus, lässt der Stuhldrang irgendwann ganz nach. Auch kann es zu sogenanntem „Stuhlschmieren“ kommen, dabei landen kleine Mengen flüssigen Stuhls unkontrolliert in der Unterwäsche. Für das Kind und meist auch für die Familie ist dies mehr als unangenehm. Bestehen diese Beschwerden länger als zwei Monate, spricht man von chronischer Obstipation. Sie sollte unbedingt ärztlich abgeklärt werden, um organische Erkrankungen nicht zu übersehen.

Was kann man tun?

Ganz wichtig ist, dass der Teufelskreis durchbrochen wird. Das Kind darf keine Schmerzen empfinden, wenn es Stuhlgang hat. Daher sollten schnell richtige Mittel angewendet werden. Eingesetzt werden können beispielsweise Präparate mit Macrogol, beispielsweise Movicol Junior Schoko von Norgine, Kinderlax elektrolytfrei von Infectopharm, Laxbene Junior von Recordati Pharma u. a. Diese Präparate gibt es als Trinkgranulat mit oder ohne Geschmack oder flüssig als Sirup. Der Wirkstoff bindet Wasser im Darm und macht den Stuhl wieder weicher. Außerdem werden die Dehnungsrezeptoren im Darm gereizt und der Stuhl wird weiter transportiert. Diese Therapie sollte mindestens über drei Monate durchgeführt werden. Macrogole sind sehr gut verträglich, haben keine Nebenwirkungen und es kommt nicht zu einem Gewöhnungseffekt. Es ist wichtig, solche Mittel mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen.

Um den harten Stuhl im Enddarm zu entfernen, sollte ein kleines Klistier oder ein Abführzäpfchen mit Glycerol oder auch Sorbitol gegeben werden. Geeignet sind beispielsweise Babylax von Infectopharm, Glycilax für Kinder von Engelhard Arzneimittel oder Microlax Rektallösung von Johnson & Johnson. Damit das Einführen nicht schmerzhaft ist, sollte das Zäpfchen oder das Klistier eingefettet werden. Die Wirkung tritt normalerweise nach zehn bis 15 Minuten ein.

Zusätzlich sollte mit dem Kind in aller Ruhe ein sogenanntes Stuhltraining durchgeführt werden. Es lernt somit wieder zur Toilette zu gehen, wenn es muss und verliert nach und nach die Angst vor dem „großen Geschäft“.

Weitere Tipps für einen gesunden Stuhlgang

Zusätzlich sollte auf eine ballaststoffreiche Kost mit viel Obst, Gemüse und Flüssigkeit (am besten ungesüßte, kalorienfreie Getränke) und ausreichend Bewegung (idealerweise Spielen und Toben an der frischen Luft) geachtet werden, um die Verdauung in Schwung zu bringen.

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