Neurodermitis im Sommer – zu jeder Jahreszeit ideal beraten

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Foto: iStock/RyanKing999

Trockene Haut, quälender Juckreiz oder auch schubweise auftretende Ekzeme – Neurodermitis hat viele Facetten, in der die Krankheit auftreten kann. Was sind die Ursachen und Symptome? Was kann helfen? Wir klären auf.

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis – oder auch atopische Dermatitis genannt – ist eine in Schüben auftretende, entzündliche Hauterkrankung, die meist bereits im frühen Kindesalter erstmalig auftritt und mit einem starken, belastenden Juckreiz einhergeht. Betroffen sind vor allem Gesicht, Hände, Nacken und die Beugeseiten von Armen und Beinen. Die Haut ist trocken, schuppig und gerötet. Etwa 13 Prozent der Kinder und zwei bis drei Prozent der Erwachsenen leiden an der chronisch entzündlichen, nicht-ansteckenden Hautkrankheit. Es gibt für sie keine vollständige Heilung, aber viele Therapiemöglichkeiten.

Was sind die Ursachen?

Obwohl die genauen Ursachen unbekannt sind, wird von einer erblichen Veranlagung ausgegangen. Falls beide Elternteile an einer Neurodermitis leiden, entwickelt auch das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 80 Prozent ein atopisches Ekzem, Asthma oder Heuschnupfen. Eine genetisch bedingte Störung der Hautbarrierefunktion, durch die ein Filaggrin-Mangel verursacht wird, kann ebenfalls die Erkrankung begünstigen. Filaggrine sind Proteine, die essenziell für die Struktur der Epidermis sind. Wenn sie fehlen, kommt es zu Störungen des Verhornungsprozesses und der Barrierefunktion. Insgesamt wird die Beschaffenheit der Hautfette verändert und dadurch die Haut trockener sowie anfälliger für Störungen, Schäden und Entzündungen.

Dieser Prozess führt zum vermehrten Eindringen von Fremdstoffen, Allergenen sowie Krankheitserregern und begünstigt oft eine Überreaktion des Immunsystems und damit die Entstehung einer allergischen Neurodermitis. Neben Allergenen wie Pollen, Hausstaubmilben, Eiern, Nüssen und Milch gibt es noch weitere sogenannte Triggerfaktoren, die einen Neurodermitis-Schub auslösen können. Dazu zählen psychischer Stress, Zigarettenrauch, Infektionen, raue oder kratzige Textilien oder extreme klimatische Bedingungen (zum Beispiel Hitze, Kälte oder hohe Luftfeuchtigkeit).

Neurodermitis im Sommer: Juckende Haut durch mehr Entzündungen

Die meisten Neurodermitis-Patient:innen berichten über eine Verbesserung in der heißen Jahreszeit. Dieser Umstand ist auf die luftige Kleidung und das Sonnenlicht zurückzuführen. Doch gibt es auch Betroffene, die über eine Verschlechterung klagen. Was sind die Auslöser für eine schlimmere Neurodermitis im Sommer? Die Verschlechterung tritt bei betroffenen Personen auf, deren Haut empfindlich auf Schweiß, Pollen, intensive Sonneneinstrahlung und chlorhaltiges Wasser reagiert.

Aus diesem Grund wird im Sommer eine spezielle Hautpflege empfohlen: weniger fetthaltige Cremes und dafür mehr Lotionen. Um das ideale Produkt zu finden, sollten Neurodermitis-Patient:innen vorab mit ihrem behandelnden Dermatologen sprechen.

Neurodermitis – was tun? Hilfe aus der Selbstmedikation

Da die Betroffenen die Veranlagung für die atopische Dermatitis ein Leben lang in sich tragen und es keine kausale Heilungsmöglichkeit gibt, ist es Ziel aller Therapien, die bestehenden Symptome zu eliminieren und die symptomfreien Phasen zu verlängern. Die wesentlichen Therapie-Bausteine sind daher zum einen die Vermeidung möglichst aller Auslösefaktoren – was individuell abgestimmt werden muss –, zum anderen ist eine gute Basispflege sehr wichtig. Betroffene sollten ihre Haut zwei- bis dreimal täglich mit feuchtigkeitsspendenden und rückfettenden Cremes oder Salben pflegen. Je entzündeter und gereizter die Haut ist, desto mehr Wasser sollte die Basispflege enthalten.

Als Feuchthaltefaktoren werden unter anderem Glycerol, Urea und/oder Ceramide eingesetzt. Je nach aktuellem Hautzustand und individueller Verträglichkeit kann ein geeignetes Produkt ausgewählt werden. Die Pflegeprodukte sollten frei von Konservierungsmitteln und Duftstoffen sind, da sonst die Gefahr einer Kontaktallergie besteht. Viele Kosmetiklinien bieten eine eigene Serie für atopische Haut – zum Beispiel Cetaphil Pro Itch Conrol, Eucerin AtopiControl, Bioderma Atoderm, Avene XeraCalm A.D., Eubos Haut Ruhe, Allergika Lipolotio, CeraVe und Dermasence Vitop forte.

Im Sommer empfiehlt sich ebenfalls kurz und kühl zu duschen. Auch Salzwasser und der Aufenthalt in den Bergen – aufgrund einer geringeren Pollenbelastung – bieten oftmals Erleichterung.

In schweren Fällen: Einsatz von rezeptpflichtigen Arzneimitteln

Falls starker Juckreiz oder schweren Entzündungen auftreten, sollte auf jeden Fall ein Arzt bzw. eine Ärztin hinzugezogen werden. Denn Juckreiz, Kratzen und Entzündung können schnell schlimmer werden. Falls synthetische Gerbstoffe, lokalanästhetische Substanzen (zum Beispiel Polidocanol) oder antiseptische Mittel nicht ausreichen, kann der Arzt Glukokortikoide verordnen. Sie wirken entzündungshemmend, juckreizlindernd sowie antiallergisch und werden in der Regel lokal als Creme oder Salbe verordnet. Da es bei einer Daueranwendung zu einem Ausdünnen der Haut kommt, werden Kortisonpräparate nur kurzfristig im Rahmen einer Intervalltherapie eingesetzt. In besonders schweren Fällen kommen sie auch oral als Tablette zum Einsatz.

Alternativ stehen die Calcineurininhibitoren Pimecrolimus und Tacrolimus zur Immunmodulation zur Verfügung, die ab einem Alter von zwei Jahren zugelassen sind. Eine relativ neue Therapieform von schwerer atopischer Dermatitis ist der monoklonale Antikörper Dupilumab, der die Entzündungsreaktion vermindert und für Kinder ab sechs Jahren zugelassen ist.

Da das Leben mit Neurodermitis sowohl für den Betroffenen als auch für die Angehörigen herausfordernd und sehr belastend sein kann, könnte eine Neurodermitis-Schulung helfen. Sie kann den Krankheitsverlauf nachweisbar positiv beeinflussen und wird von den Krankenkassen bezahlt.

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