Myrrhenbaum ist Arzneipflanze des Jahres 2021

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Foto: iStock/DavorLovincic

Der Myrrhenbaum (Commiphora myrrha) gehört zur Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae) und wird aufgrund seiner entzündungshemmenden Eigenschaften geschätzt. Erfahre hier mehr zur sagenumwobenen Heilpflanze.

Der Ursprung des Baumes liegt in Dschibuti, Somalia, Jemen, nordöstlichen Kenia, östlichen Äthiopien und auf der arabischen Halbinsel Oman. Aus seinem Harz wird die Myrrhe gewonnen, die laut Bibel als eine der drei Gaben zu Jesu‘ Geburt mitgebracht wurde. Aufgrund seiner großen Bedeutung in der Kultur- und Medizingeschichte, der jüngeren Forschung und dem Potenzial für die medizinische Nutzung wählte der interdisziplinäre Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde den Myrrhenbaum zur Arzneipflanze des Jahres 2021.

Heilende Wirkung des Myrrhenbaums

Der Myrrhenbaum wird seit langer Zeit zu rituellen und heilkundlichen Zwecken genutzt. Er findet bereits Erwähnung im Alten Testament (Buch Mose). Der süßlich würzige Duft und die Eigenschaft, das Gummiharz getrocknet sowie ohne Qualitätsverlust zu transportieren und zu lagern, machte die Myrrhe zu einem wertvollen Handelsgut.

Die pharmazeutisch genutzte Myrrhe besteht aus Gummiharz, das aus dem Stamm und den Ästen des bis zu vier Meter hohen Baumes austritt, wenn sie angeschnitten werden. Sie setzt sich aus ätherischen Ölen, einem Harzanteil Di- und Triterpensäuren und einem Gummianteil zusammen. Die im Harz vorkommende Commiphora-Säure zeigte bei In-vitro-Studien eine antiphlogistische, antimikrobielle, fungistatische und antidiarrhoische Wirkung1. Es wurden ebenfalls antiexsudative und lokal betäubende Wirkungen für Myrrhe beschrieben.

Du findest Myrrhenextrakte in Fertigarzneimitteln wie beispielsweise Myrrhinil-Intest, Bienensalbe mit Propolis und Myrrhe oder der Myrrhentinktur von Hetterich.

Gut verträglich und nebenwirkungsarm

In einer randomisierten und kontrollierten Studie der Kliniken Essen-Mitte – zum Erhalt der remissionsfreien Phase bei Colitis Ulcerosa – wurde eine Kombination aus Myrrhe, Kaffeekohle und Kamillenblütenextrakt im Vergleich mit Mesalazin getestet2. Die Wirksamkeit hat sich dabei als vergleichbar mit der Standardmedikation herausgestellt. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankrankheiten (DGVS) empfiehlt daher, dass die getestete Mischung „komplementär in der remissionserhaltenden Behandlung eingesetzt […]“3 wird. Myrrhe wurde in dieser Studie hoch dosiert verabreicht und war in der Langzeitanwendung gut verträglich sowie nebenwirkungsarm.

Traditionell wird ein myrrhehaltiges Mundwasser bei Mund- und Racheninfektionen sowie Zahnfleischentzündungen zum Schleimhautschutz angewandt. Auch bei Erkältungen kann sie eingesetzt werden. Ihre adstringierende Wirkung findet bei Durchfällen und Verdauungsproblemen Verwendung.

Weitere Arzneimittel aus dem Myrrhenbaum?

Zudem läuft weltweit eine umfangreiche Forschung zu den bisher noch weitgehend unbekannten Wirkstoffen, die dieses besondere Balsamgewächs produziert. Denn im Gummiharz konnten verschiedene weitere Substanzen gefunden werden, die möglicherweise als Arzneimittel genutzt werden können. Der Myrrhenbaum wurde somit zurecht zur Arzneipflanze des Jahres 2021 gekürt.

 

1 Fatani AJ, et al. Myrrh attenuates oxidative and inflammatory processes in acetic acid-induced ulcerative colitis. Exp Ther Med 2016;12(2): 730–738

2 Langhorst et al.: Randomised clinical trial: a herbal preparation of myrrh, chamomile and coffee charcoal compared with mesalazine in maintaining remission in ulcerative colitis–a double-blind, double-dummy study. In: Alimentary pharmacology & therapeutics. Band 38, Nummer 5, September 2013, S. 490–500, ISSN 1365-2036, doi:10.1111/apt.12397, PMID 23826890a

3 Torsten Kucharzik, Axel Dignaß: S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa. AWMF-Registriernummer 021-009, Mai 2018, S. 156

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