Infertilität beim Mann – wie ist sie erkennbar und ist sie heilbar?

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Foto: iStock/peakSTOCK

Ein Mann gilt als unfruchtbar bzw. infertil, wenn es trotz regelmäßigem und ungeschütztem Verkehr über ein Jahr nicht zu einer Schwangerschaft kommt. Ursachen und mögliche Heilungschancen sind hier zusammengefasst.

Welchen Anzeichen gibt es für eine Infertilität beim Mann?

Die Spermienqualität ist für die Fruchtbarkeit des Mannes entscheidend. Die Hoden müssen eine ausreichende Zahl guter und gesunder Spermien produzieren. Als ungefährer Richtwert gilt: In einem Milliliter Spermienflüssigkeit sollten mindestens 15 Millionen Spermien vorhanden sein und etwa ein Drittel der Spermazellen sollte beweglich sein. Zudem muss der Transportweg der Spermien – von den Hoden durch die Nebenhoden über den Samenleiter nach draußen – störungsfrei ablaufen, damit sie in das Ejakulat gelangen können.

Für eine Unfruchtbarkeit (auch Sterilität oder Zeugungsunfähigkeit) beim Mann gibt es in der Regel keine körperlichen Symptome. Erste Anzeichen können beispielsweise eine starke Gewichtsveränderung, Schwellung der Hoden oder Schmerzen beim Wasserlassen sein, die auf eine Infektion hindeuten.

Forschungsergebnisse belegen, dass die männliche Fruchtbarkeit immer weiter abnimmt: In den 1970er-Jahren besaß ein Mann durchschnittlich 100 Millionen Spermien pro Milliliter, im Jahr 2011 lag die Spermiendichte nur noch bei rund 50 Millionen pro Milliliter. Die Gründe sind bislang unklar, vermutet werden Ursachen wie veränderte Lebensstile oder Umweltfaktoren.

Diagnostik – mögliche medizinisch bedingte Ursachen

Zu den häufigsten medizinischen Ursachen zählen ein Mumpsinfektion, von der auch die Hoden betroffen sind oder ein spät behandelter Hodenhochstand. Weitere medizinische Auslöser können sein:

  • Chlamydien
  • Unterversorgung mit männlichen Hormonen
  • Tumorerkrankungen
  • Hormonstörungen
  • Genetische Anomalien
  • Sexuelle Funktionsstörungen
  • Beschädigter/dysfunktionaler Samenleiter
  • Dauerhafte Überhitzung durch Krampfadern oder Durchblutungsstörung
  • Immunologische Sterilität: Bildung von Autoantikörpern gegen bestimmte Bestandteile der Spermien, in der Folge kommt es zu deren Verklumpung und Degeneration

Umweltfaktoren

Auch äußere Einflüsse können die Fruchtbarkeit des Mannes beeinträchtigen. Die sensiblen Geschlechtsorgane sind besonders gegenüber Schadstoffen empfindlich. Eine dauerhafte bzw. starke Belastung mit bestimmten Substanzen kann zu einer Unfruchtbarkeit führen. Hierzu gehören beispielsweise Weichmacher, Schadstoffe wie Blei oder Quecksilber oder Giftstoffe in Möbeln, Waren, Hygieneartikel oder Kleidung.

Lifestyle-Faktoren

Der Lebensstil spielt neben den medizinischen wie umweltbedingten Einflüssen eine weitere Rolle für die Fruchtbarkeit. Diese Faktoren sind zum Beispiel:

  • Mangelnde Bewegung
  • Falsche/schlechte Ernährung
  • Übergewicht
  • Konsum von Nikotin, Alkohol oder Drogen
  • Einnahme von Anabolika
  • Stress

Behandlungsoptionen – von Spermiogramm bis TESE

Die Diagnose Unfruchtbarkeit kann sehr belastend für den Mann und auch für die Paarbeziehung sein. Egal, was der Auslöser oder Grund für die Unfruchtbarkeit ist, Paare sollten die Entscheidung und auch den Weg der Behandlung gemeinsam gehen, da Verständnis, Geduld sowie die gegenseitige moralische Unterstützung zum Therapieerfolg beitragen können.

Ein sogenanntes Spermiogramm gibt Klarheit über die Qualität des Spermas – dabei werden die relevanten Faktoren pH-Wert, Spermienkonzentration und -menge, Gesamtanzahl sowie Beweglichkeit. Eine Umstellung auf gesündere Lebensgewohnheiten kann beispielsweise ein schlechtes Spermiogramm verbessern. Der richtige Abstand zwischen dem Geschlechtsverkehr ist ebenfalls relevant: Alle drei Tage sei bei einem Kinderwunsch optimal, da täglicher Sex die Spermienanzahl im Ejakulat verringert.

Je nach Ursache der Infertilität gibt es verschiedene Therapieansätze:

  • Psychotherapeutische Behandlung
  • Operationen
  • Behandlung durch Antibiotika
  • Medikamentöse Behandlung
  • Vakuumpumpe
  • Penisimplantat

Falls keine Erfolge erzielt werden, können Mediziner:innen auf die testikuläre Spermienextration (TESE) zurückgreifen. Dabei werden Spermien durch eine Hodenbiopsie entnommen und mit neuen Verfahren auf ihre Eignung überprüft. Mit diesen ausgewählten Spermien können verschiedene Techniken der künstlichen Befruchtung angewandt werden und vielen Paaren zu ihrem lang ersehnten Kinderwunsch verhelfen.

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