Frauenmantel: Einst Freund der Alchemisten, heute der Hebammen

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Wer kräuterkundige Hebammen als Kund:innen hat, der gibt dieses Heilkraut vermutlich häufiger ab. Der „Gewöhnliche Frauenmantel“ (Alchemilla vulgaris) zählt zu den wichtigsten Frauenkräutern überhaupt.

Frauenmantel – die Geschichte eines Heilkrautes

Bereits in der Antike war die Heilkraft des Frauenmantels bekannt. Die Römer weihten die Heilpflanze der obersten Göttin Venus, die Germanen ihrem Pendant Freya – der Göttin der Liebe und der Ehe. Die krautige, bis zu 30 Zentimeter hohe Pflanze hat fein behaarte, große, fächerförmige, unverwechselbare Blätter, die an den wehenden Mantel einer Frau erinnern.

Zusätzlich ist das Heilkraut mit unscheinbaren, kleinen Blüten versehen und zählt zu den Rosengewächsen. Sogar Plinius der Ältere erwähnte den Frauenmantel im ersten Jahrhundert als Heilpflanze. Den lateinischen Namen „Alchemillae“ trägt sie, weil sie im Mittelalter für alchemistische Versuche überaus vielversprechend erschien. Die Wassertropfen, die sich über Nacht am Rand der Blätter in den Poren bildeten, glänzten wie das begehrte Edelmetall, das die Alchemisten versuchten herzustellen.

Zusammensetzung und Herkunft

Die Volksheilkunde nennt den Frauenmantel bei Beschwerden wie Blutungen, schmerzhaften Menstruationsbeschwerden, Geschwüren, Bauchschmerzen, Nierensteinen, Kopfschmerzen und zur Behandlung von Wunden. Es soll bei allen Frauenleiden wie Gebärmutterproblemen, Regelbeschwerden, Wechseljahresleiden oder auch bei trockener Vaginalschleimhaut helfen.

Die Pflanze enthält vor allem Gerbstoffe des Ellagitannin-Typs mit der Hauptkomponente Agrimoniin, Bitterstoffe, Phytosterine, Salicylsäure und Flavonoide. Ellagitannine besitzen nachgewiesene antientzündliche Wirkungen und werden außerdem unter anderem auf ihre Effekte zur Neuroprotektion, also zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Die ganzen oder geschnittenen, getrockneten, oberirdischen Teile werden zur Blütezeit zwischen Mai und August gesammelt. Als Arzneidroge kommt übrigens das Frauenmantelkraut (Alchemillae herba) zum Einsatz.

Anwendung des Frauenmantels

Die Pflanze wird innerlich aufgrund seines Gerbstoffgehaltes bei Magen- und Darmbeschwerden (besonders bei leichten Durchfällen) und äußerlich als Gurgelwasser bei Entzündungen im Mund- und Rachenbereich genutzt. Auf der Haut können Umschläge bei Ekzemen und Hautausschlägen helfen, bei Unterleibserkrankungen wird Frauenmantel häufig als Zusatz zu Sitzbädern verwendet. Der zusammenziehende Effekt der Gerbstoffe bewirkt einen Schutz der Schleimhäute und eine leichte Schmerzstillung. Die Wundheilung wird gefördert, Blutungen gestillt und sezernierende Wunden abgetrocknet.

Achtung bei der Dosierung

Entzündungshemmend und innerlich bitte nur kleine Dosen einnehmen. Der alte Spruch „Viel hilft viel“ verkehrt sich hier ins Gegenteil. Das gilt auch für den Einsatz bei säurebedingten Magenbeschwerden. Gerbstoffe sind gut wasserlöslich, daher genügt zur Anwendung das Überbrühen mit heißem Wasser und ein etwa Zehnminütiges ziehen lassen. Bei der Behandlung von Durchfällen genügt ein Tee jedoch nicht, da die unteren Darmabschnitte nur schlecht erreicht werden.

Vorsicht: Menschen die unter Magenschmerzen leiden, sollten aufgrund des mit sechs- bis acht Prozent hohen Gerbstoffgehaltes lieber keinen reinen Frauenmanteltee trinken. Er könnte die Magenwand zusätzlich reizen. Außerdem ist der Tee bei Einnahme anderer Medikamente nicht geeignet, da er deren Resorption im Darm stören kann.

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