Der erste Tag mit digitalen Impfnachweisen – ein Erfahrungsbericht

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Das Handling bezüglich digitaler Impfnachweise in Apotheken erinnert an die Maskenverteilaktion im Dezember. Mittlerweile hat sich eine gewisse Routine eingestellt. Ein erster Erfahrungsbericht von Eva Bahn.

Montagmorgens war unser Team früher in der Apotheke, um auf den erwarteten Kundenansturm vorbereitet zu sein. Unser Chef erklärte uns vorab, wie wir Fälschungen sicher erkennen können.

  • Welchen Zustand hat der Impfpass? Ist er älter oder brandneu?
  • Stimmen die angegebenen Daten, mit denen auf dem Personalausweis überein?
  • Sind Datum und Unterschrift gepflegt und stammen die Stempel von 1. sowie 2. Impfung vom gleichen Arzt/Zentrum?
  • Passt das Cover zum Inhalt? Scheinen die Halteklammern aufgebogen und ein neuer Rücken daran befestigt? Gibt es Farbunterschiede zwischen Innen- und Außenseite?

Technische Schwierigkeiten und wartende Kundschaft

Dann konnte es losgehen: Wir mussten das Passwort im Portal ändern. Doch das Apothekenportal war – wie zu erwarten – überlastet und es dauerte ein paar Minuten, bis wir alle ein neues Passwort generieren konnten. Die ersten Kund:innen, die einen digitalen Impfnachweis wünschten, standen inzwischen vor dem HV und warteten. Nach etwa einer halben Stunde konnten wir nach anfänglichen technischen Problemen starten. Wir waren alle erleichtert.

Der Andrang war groß, aber die Kundschaft blieb ruhig. Hinsichtlich der Erfahrung vom Dezember haben wir zwei Tische im HV aufgestellt, an denen die Kund:innen eine zusätzliche Erklärung zur korrekten Angabe ihrer persönlichen Informationen unterschreiben müssen, während wir die benötigten Daten in die Maske des Portals eintippen.

Warum wir diese Angaben neben Personalausweis und Impfpass fordern? Ganz einfach: Falls ein Kunde einen gefälschten Pass vorlegt – wir diese Fälschung nicht erkennen – und er anschließend beispielsweise eine Kreuzfahrt tätigt, bei der er an COVID-19 erkrankt und die Mitreisendenden ansteckt, ist unsere Apotheke juristisch abgesichert. Denn auf die Reederei kommen hohe Kosten aufgrund des ungültigen Impfnachweises zu.

Stoßzeiten und ein gutes Ende

Nachdem der Vormittag relativ unspektakulär verlief, war der Nachmittag durch mehr Stress geprägt. Das Kundenaufkommen wurde größer – viele hatten sich dazu entschlossen, nach der Arbeit die Apotheke aufzusuchen. Der Server hatte daher die ersten Ausfälle zu verzeichnen: Teile des Vornamens verschwanden, während man das Impfdatum eingab; das Geburtsjahr änderte sich selbstständig in der Maske; der Impfstoff löschte sich selbst aus dem vorgegebenen Feld und auch ein Totalausfall des Servers war zwischen 16.00 Uhr und 16.30 Uhr zu beklagen. 

Die gravierendste „Problemzeit“ war bei uns definitiv zwischen 16 und 17 Uhr zu verzeichnen, danach wurde es schrittweise wieder besser. Ab 17.30 Uhr lief das Portal wieder normal. Die Kund:innen waren allesamt sehr verständnisvoll, wenn es einmal wieder länger dauerte und warteten ruhig ab. Uns wurde viel Dank entgegengebracht und unsere Arbeit wurde von vielen gelobt, was richtig guttat.

Am Ende des Tages verzeichneten wir ein dreistelliges Ergebnis auf unserem Zähler im Portal. Meine Beine fühlten sich nach dem langen Stehen wieder wie im Dezember nach der Maskenausgabe. Aber wir waren alle froh, dass im Gesamten alles gut abgelaufen ist. Mein Kompliment an den DAV, der es in kurzer Zeit geschafft hat, eine weitgehend stabile Seite aufzubauen.

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