Demenz – wie krankhafte Vergesslichkeit behandelt wird

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Foto: iStock/ Ponomariova_Maria

Eine anhaltende oder fortschreitende Beeinträchtigung von Gedächtnis, Denken oder anderer Hirnleistungen ist krankhaft und wird als Demenz bezeichnet. Welche Formen und Symptome gibt es? Wie sieht die Therapie aus?

In Deutschland sind rund 1,7 Millionen Menschen im Jahr 2020 an Demenz bzw. an einem demenziellen Syndrom erkrankt. Die chronisch, fortschreitende Gehirnerkrankung äußert sich anfangs durch ein gestörtes Kurzzeitgedächtnis. Jedes Jahr kommen weltweit 7,7 Millionen Neuerkrankungen hinzu. Die Betroffenen verlieren ihre geistigen und intellektuellen Fähigkeiten. Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und praktisches Geschick verschlechtern sich stetig. Die Demenz kann auch zu Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation führen.

Krankheitsbild – diese Demenz-Formen gibt es

Es gibt verschiedene Demenzformen, die sich alle entweder einer hirnorganischen primären (circa 90 Prozent) oder einer nicht-hirnorganischen sekundären Demenz (etwa zehn Prozent) zuordnen lassen. Bei Letzterer entsteht der geistige Verfall durch andere Grunderkrankungen – zum Beispiel Infektionen, Alkoholsucht, Hirnverletzungen, Sauerstoffmangel, Depressionen, Vitamin-B12-Mangel und andere Faktoren. Bei frühzeitiger Behandlung kann sich das Gehirn regenerieren, sodass sich die demenzielle Erkrankung zurückbildet oder sogar ausheilt.

Bei den primären Demenzen lässt sich mithilfe einer adäquaten Therapie der Krankheitsverlauf lediglich verzögern und eine Heilung ist nicht möglich. Es werden neurodegenerative Demenzformen (Nervenzellen gehen zugrunde, die Ursache ist meist ungeklärt) unterschieden. Dazu gehören Alzheimer, Levy-Body, frontotemporale sowie die vaskuläre Demenz (aufgrund von Durchblutungsstörungen der Nervenzellen). Dazu gehören zum Beispiel die Multi-Infarkt-Demenz oder Morbus Binswanger.

Risikofaktoren

Ein fortgeschrittenes Alter und genetische Veranlagung erhöhen das Risiko einer demenziellen Erkrankung. Nur zwei Prozent der Demenzkranken sind unter 65 Jahre alt. Wenn ein Elternteil von Alzheimer betroffen ist, besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder ebenfalls erkranken. Etwa ein Prozent sind laut Alzheimer Forschung Initiative eindeutig erblich bedingt. Bislang sind drei Gene von Wissenschaftler:innen als mögliche Auslöser für Alzheimer bestätigt.

Aber auch Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herzrhythmusstörungen, ein hoher Cholesterinspiegel, Depressionen, Schädelhirnverletzungen, Rauchen, ein übermäßiger Alkoholkonsum und Übergewicht gehören zu den bekannten Faktoren. Eine geringe geistige, soziale und körperliche Aktivität im Alter sind ebenfalls ursächlich.

Symptome

Eine Demenz äußert sich in vielfältiger Weise. Zu den Symptomen gehören unter anderem:

  • Sprachstörungen
  • Orientierungslosigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Erinnerungslücken
  • Antriebsschwäche etc.

Zu den Verhaltensauffälligkeiten zählen Aggression, Euphorie, Angststörungen, Apathie, innere Unruhe, Halluzinationen und Wahnvorstellungen.

Therapiemöglichkeiten

Nach umfangreichen Tests und Untersuchungen kann fachärztlich diagnostiziert werden, ob es sich um eine Demenz handelt. Außerdem kann die exakte Krankheitsform bestimmt werden. Trotz multifaktorieller Behandlungsmöglichkeiten ist eine Demenz – bis auf manche sekundäre Demenz – unheilbar. Lediglich die Symptome und das Fortschreiten der Erkrankung können verlangsamt werden.

Antidementiva werden besonders in der Alzheimertherapie eingesetzt und sollen verschiedene Botenstoffe im Gehirn beeinflussen. Sie wirken oftmals nur eine begrenzte Zeit. Die Acetylcholinesterasehemmer Rivastigmin oder Donepezil hemmen den Acetylcholinabbau und können in einem frühen Erkrankungsstadium einen Mangel an diesem Botenstoff ausgleichen.

Memantin ist ein sogenannter Glutamat-Antagonist, der die Glutamatrezeptoren im Gehirn blockiert und somit die durch Glutamat ausgelöste irreversible Zerstörung der Nervenzellen verhindert (Neuroprotektion).

Je nach Demenzform und Symptomen können Antidepressiva, Neuroleptika sowie Antihypertensiva und Lipidsenker (bei vaskulärer Demenz) gegeben werden.

Zusätzlich werden eine Ergo-, Verhaltens- und Musiktherapie sowie kognitives Training und autobiografische Arbeit mit den Patient:innen individuell abgesprochen, sodass ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben weitestgehend ermöglicht werden kann. Zu einem bestimmten Zeitpunkt nimmt die geistige Leistungsfähigkeit sowie die Persönlichkeit der Patient:innenen irreversibel ab. Daher sollten sich die Betroffenen und Angehörigen frühzeitig mit dem Thema Pflege auseinandersetzen.

Ein Blick in die Zukunft – die Entwicklung der Zahl der Demenzkranken

Laut Statista wird eine Minderung der Inzidenzraten vorausgesagt – bis zu 35 Prozent. Die Gründe liegen in den verbesserten Lebensbedingungen, höheren Bildungsstandards, gesünderer Ernährung und der gestiegenen körperlichen, geistigen und sozialen Aktivität.

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