Blasenentzündung therapieren – es geht auch ohne Antibiotikum

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50 bis 70 Prozent der Frauen sind mindestens einmal im Leben von einer Blasenentzündung (Zystitis) betroffen. Wie Präparate aus der Selbstmedikation helfen können.

Zu den Symptomen einer Zystitis gehören in erster Linie häufiger Harndrang, Brennen und krampfartige Schmerzen beim Wasserlassen. Insbesondere das stechende, beißende Gefühl ist typisch für das Krankheitsbild, das eher bei Frauen auftritt. Hintergrund ist, dass sie im Vergleich zu Männern eine kürzere Harnröhre haben; zudem liegen Anal- und Genitalregion eng beieinander.

Ursachen: Wie entsteht eine Blasenentzündung?

Die Infektion der Harnblase wird in 80 Prozent der Fälle durch Darmbakterien verursacht, die vom Darmausgang in die Harnröhre gelangen, in die Blase aufsteigen und dort an der Blasenwand anhaftend eine Entzündung verursachen. Bestimmte Faktoren wie Unterkühlung, häufiger Geschlechtsverkehr, Hormonveränderungen, falsche Intimhygiene, geringe Flüssigkeitszufuhr und ein geschwächtes Immunsystem können die Entstehung von Blasenentzündungen begünstigen.

Blasenentzündung lindern ohne Antibiotika

Häufig suchen Betroffene Rat in der Apotheke, um die unangenehmen Beschwerden schnell wieder los zu werden. Wichtig ist es, viel zu trinken. Circa zwei bis drei Liter Flüssigkeit pro Tag helfen, die Urinmenge zu erhöhen. Dadurch werden Erreger im Restharn ausgespült. Geeignete Getränke sind Tee und Wasser. Spezielle Blasen- und Nierentees enthalten harntreibende Inhaltsstoffe wie Birkenblätter, echtes Goldrutenkraut und Orthosiphonblätter. Je nach Hersteller sollten sie bis zu fünfmal täglich frisch zubereitet getrunken werden. Es gibt sie lose oder im Teebeutel, wie zum Beispiel den Sidroga Blasen-Nieren-Spültee (Sidroga Gesellschaft für Gesundheitsprodukte) und als sofort lösliches Granulat, wie den Harntee 400 TAD N (TAD Pharma) oder den Heumann Blasen- und Nierentee Solubitrat uro (Angelini Pharma Österreich). Die Granulate enthalten im Gegensatz zu den Teebeuteln oder offenen Tees auch Süßungsmittel und Aromen.

Diuretische Tees gegen Blasenentzündung, Foto: Veronika Wagner

Weiterhin sollte man den Unterleib und die Füße warmhalten (Wärmflasche, Kirschkernkissen, warme Socken, etc.) um die Durchblutung zu fördern und somit die Immunabwehr zu unterstützen. Auch Krämpfe und Schmerzen können durch Wärme gelindert werden.

Andere pflanzliche Präparate – meist in Tablettenform – wirken zusätzlich antientzündlich, antibakteriell, schmerzlindernd und spasmolytisch. Aqualibra (Medice Arzneimittel) enthält Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel und Orthosiphonblätter. Die Tabletten sollen in der Dosierung dreimal täglich zwei Stück eingenommen werden. Sie wirken durchspülend, krampflindernd und entzündungshemmend. Canephron N bzw. Canephron uno (Bionorica SE) mit der Kombination aus Tausendgüldenkraut, Rosmarin und Liebstöckel gibt es als Tropfen und als Dragees in zwei unterschiedlichen Stärken.

Präparate gegen Zystitis, Foto: Veronika Wagner

Pflanzliche Mittel mit Senfölen aus Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel wie Angocin Anti-Infekt N (Repha) können bei unkomplizierten, häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen eine Alternative zu Antibiotika darstellen, da sie dem Hersteller zufolge das Eindringen von Darmbakterien in die Zellen der Blaseninnenwand reduzieren und eine antientzündliche, antivirale und antibakterielle Wirkung haben. Die Standarddosis beträgt dreimal täglich je vier Tabletten.

Cystinol akut Dragees (Schaper & Brümmer) enthalten als Wirkstoff Bärentraubenblätter-Trockenextrakt, dessen wesentlicher Bestandteil das Phenolglucosid Arbutin ist, das antibakterielle und entzündungshemmende Wirkungen hat. Hier sollen dreimal täglich je zwei Dragees eingenommen werden.

Kein Pflanzenextrakt, sondern der natürliche Zucker D-Mannose ist der Wirkstoff im Trinkgranulat Femannose N (Cassella-med). Es wird zur Vorbeugung und unterstützenden Behandlung von Blasenentzündungen eingesetzt, ist frei von Nebenwirkungen und in Absprache mit dem Arzt auch für Schwangere geeignet. Die D-Mannose ummantelt die Bakterien und verhindert damit, dass sie sich an den Schleimhäuten festsetzen können. So werden die Keime beim nächsten Wasserlassen hinausgespült. Vorbeugend wird ein Portionsbeutel pro Tag getrunken und zu unterstützenden Behandlung drei Beutel am ersten, zweiten und dritten Tag. Ab dem vierten Tag werden sollen täglich zwei Beutel genommen werden.

Ein weiteres Präparat mit Femmanose ist Femalac (Apogepha), das zusätzlich mit Lactobazillen kombiniert wird. Diese sollen dabei helfen, das Intimmilieu mit seinem sauren pH-Wert wiederherzustellen. Ebenfalls D-Mannose, allerdings in Kombination mit Xylitol und Hyaluronsäure, ist in dem neuen Gepan Mannose-Gel (G. Pohl-Boskamp) enthalten. Das Gel soll die Haut im äußeren Intimbereich beim Schutz vor Infektionen wie einer Blasenentzündung unterstützen und eine gesunde und intakte Haut- und Scheidenflora fördern. Ein Pumpstoß des Gels sollte mehrmals täglich im gesamten Intimbereich (Vulva, Damm, Anus) aufgetragen werden.

Zur Unterstützung bei Blasenentzündung, Foto: Apogepha

Grenzen der Selbstmedikation

Bei Männern, Kindern unter zwölf Jahren und Schwangeren sollte eine Blasenentzündung grundsätzlich von einem Arzt behandelt werden.

Ansonsten gilt für Frauen mit unkomplizierter Zystitis: Wenn sich die Beschwerden nicht innerhalb von fünf Tagen bessern, wenn Fieber oder Schmerzen in der Nierengegend hinzukommen oder wenn Blut im Urin sichtbar ist, muss unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden. Wenn die Infektion in die oberen Harnwege aufsteigt, droht eine Nieren(becken)entzündung, die wiederum zu ernsten bleibenden Schäden führen kann.

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