Apotheke als Testzentrum: „Ohne die App müssten wir 95 Prozent des Papiers schreddern“

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Während der Pandemie wird im Alltag vermehrt auf digitale Angebote gesetzt. Auch Apotheken nutzen das Angebot – nicht zuletzt bei der Organisation ihrer Testzentren. Statt Zettelwirtschaft setzen viele dabei auf Apps.

Mittlerweile gibt es vielerorts Möglichkeiten, sich mittels einen Antigen-Schnelltests auf SARS-CoV-2 testen zu lassen. In der Regel muss vorher telefonisch oder online einen Termin vereinbart werden. Für Testzentren wie Apotheken kann die analoge Koordination – je nach Nachfrage – einen größeren Aufwand bedeuten, beispielsweise bei der Terminvergabe und Ergebnismitteilung. Denn die Dokumentation aller Dinge müsste dann auf Papier erfolgen.

Digitale Helfer wie die Doctor-Box-App vereinfachen hingegen die Abläufe. Als erster Apotheker, der ein Schnelltestzentrum errichtet hat, nutzt auch Dr. Björn Schittenhelm diese Anwendung für die Organisation und Koordination. Außerdem bietet das italienische Unternehmen Vertical Life mit seiner Softwarelösung No-Q eine einfache Terminreservierung und effizientes Datenmanagement für Antigentests in Apotheken und Testzentren an. Weiterhin gibt es Apps wie bliggit, luca und Pass Go auf dem Markt.

Foto: Pass Go

Die Infrastruktur der Pass Go-App basiert dabei, im Vergleich zu den anderen Apps, auf drei Säulen. Zum einen ist sie ausgerichtet auf die Anwendung von Nutzer*innen und Einlasspunkte. Zum anderen bietet sie auch Testzentren – und damit auch teilnehmenden Apotheken – eine digitale Möglichkeit an, Termine zu vergeben, die Testergebnisse in der App anzuzeigen und ggf. das Gesundheitsamt bei einem positiven Ergebnis automatisch per E-Mail zu informieren. Dadurch reduziert sich der administrative Aufwand für das Apothekenpersonal.

„Das Besondere bei Pass Go ist, dass es ein Belohnungssystem gibt“, erklärt ein Pass Go-Sprecher. Denn: Getestete Personen können ihren negativen Test bei sogenannten Einlasspunkten als eine Art Ticket vorzeigen. Das sind Örtlichkeiten, bei denen negative Testergebnisse überprüft werden, beispielsweise in der Gastronomie, bei Veranstaltungen oder Bildungseinrichtungen. Die App ist für Personen, die sich testen lassen möchten, kostenlos. Für Apotheken fallen Kosten an, die aber im Falle von Modellprojekten ggf. auch wegfallen können. So war der Landkreis Harz die erste Modellkommune für die Pass Go-App. Hier wurden bzw. werden die Kosten von öffentlichen Geldern getragen, für die teilnehmenden Apotheken ist das Angebot daher kostenfrei.

Erste Pass Go-nutzende Apotheke berichtet

Eine dieser teilnehmenden Apotheken ist die von Susanne Bormann. In ihrer Apotheke in Blankenburg bietet sie seit Januar 2021 Corona-Schnelltest an – getrieben von ihrer inneren Motivation einen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie zu leisten. „Wir wollen doch alle raus aus der Pandemie. Ich arbeite im Center, unsere Apotheke hat auf, aber die meisten anderen Geschäfte mussten schließen. Die Unternehmer tun mir einfach leid. Mit den Schnelltests hoffen wir, dass der normale Alltag irgendwann bald wieder da ist.“ Aber auch die Strategie von Apotheker Dr. Björn Schittenhelm mit seinem selbstaufgezogenen Testzentrum ermutigte sie bei ihrer Entscheidung, ebenfalls Schnelltests anzubieten: „Das ist unglaublich, was er geleistet hat und weiterhin leistet. Er hat keine Scheu, Geld in die Hand zu nehmen und ist innovativ. Solche Kollegen motivieren mich wirklich“.

Bislang habe sie in ihrer Apotheke rund 900 Personen auf Corona getestet. „Im Schnitt schaffen wir 40 bis 60 Kunden pro Tag. Unser Angebot kommt gut an“, berichtet die Apothekeninhaberin. Die Kunden können ihre Termine dabei online oder dringenden Fällen auch telefonisch buchen. Zunächst testete die Inhaberin alleine, in der Zwischenzeit werde sie aber von drei Mitarbeiterinnen unterstützt, die ebenfalls ein Zertifikat einer Sachkundeschulung hätten.

Apothekerin Susanne Bormann in ihrer Schutzkleidung während des Testens. (Foto: privat)

Und wie läuft der Test genau ab? „Wenn der Patient ankommt, führen wir zunächst eine Temperaturmessung durch, um eine Infektion auszuschließen. Daraufhin folgt der Nasenabstrich beider Nasenlöcher. Dieser Abstrich wird dann mit einer Testlösung vermischt und eine Minute stehen gelassen. Danach werden einige Tropfen des Gemisches in den Startpunkt des Kits gegeben. Nach 15 Minuten lesen wir das Ergebnis ab“, erklärt Bormann. „Nach diesem Vorgang kann der Patient die Apotheke wieder verlassen und wird über das Ergebnis telefonisch, per App oder per E-Mail informiert. Im Falle eines positiven Tests wird zusätzlich das Gesundheitsamt automatisch über die App benachrichtigt. Dieses setzt sich dann mit dem Patienten in Verbindung um über das weitere Vorgehen zu informieren.“

Der administrative Aufwand sei auf jeden Fall geringer, bestätigt auch Robert Nickel, ein Angestellter der Apotheke, der sich unter anderem um das Marketing kümmert. „Die App erleichtert uns vieles, bislang funktioniert alles einwandfrei.“ Dank Pass Go könne die Arbeitszeit in der Apotheke effizient genutzt werden: „Ohne die App müssten wir alles auf Papier dokumentieren. Da aber ca. 95 Prozent der Tests erfahrungsgemäß negativ ausfallen, müssten wir im Nachgang ca. 95 Prozent des Papiers schreddern.“

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