Antibiotika in der Zahnmedizin

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Foto: iStock/Massenstock

Bei Rezepten von Zahnärzt:innen handelt es sich meistens um Antibiotika und/oder Schmerzmittel. Wofür werden Antibiotika verordnet? Welche Wirkstoffe gibt es in der Zahnmedizin? Und was solltest du bei der Beratung beachten?

In unserem heutigen Beitrag erfährst du jegliche relevanten Fakten zu Antibiotika in der Zahnmedizin. Unsere Mundhöhle ist unter anderem mit bis zu 500 verschiedenen Bakterienspezies besiedelt, die in einem biologischen Gleichgewicht miteinander leben. Wenn es zu einer Verschiebung dieser Balance kommt und damit zu einer Infektion, wird sie neben der zahnärztlichen Sanierung des Infektionsherdes meistens antibiotisch behandelt. Neben dem Infektionsgrad müssen auch Vorerkrankungen (Immunschwäche, Diabetes, Krebserkrankungen etc.), die bisherige Behandlung und der Allgemeinzustand des Patienten bzw. der Patientin zahnärztlich mitbeurteilt werden.

Antibiotika in der Zahnmedizin: Welche Indikationen gibt es für eine Therapie?

Es werden die odontogenen Infektionen unterschieden, die von einem Zahn oder -halteapparat ausgehen – zum Beispiel eine Entzündung der Wurzelspitzen oder des Zahnmarks, ein Kieferabszess, infizierte Zysten oder ein erschwerter Zahndurchbruch. Des Weiteren gibt es die nicht odontogenen Infektionen - beispielsweise eine Speicheldrüsen-, Kieferknochenentzündung oder eine Infektion durch eine eröffnete Kieferhöhle (nach Zahnextraktion), Bestrahlungen oder eine Bisphosphonat-Therapie verursacht werden.

 

Nur noch selten und bei bestimmten Vorerkrankungen werden Antibiotika als „perioperative Infektionsprophylaxe“ oder als „Endokarditisprophylaxe“ vor oder während zahnärztlicher oder oralchirurgischer Eingriffe gegeben. Um das postoperative Infektionsrisiko und Komplikationen zu minimieren bzw. einer Endokarditis vorzubeugen.

Welche Wirkstoffe werden eingesetzt und was gibt es zu beachten?

β-Lactam-Antibiotika: Als Mittel der Wahl gelten die Penicilline aus der Gruppe der β-Lactam-Antibiotika, allen voran das Amoxicillin und das Penicillin V (= Phenxoymethylpenicillin). Oft wird Amoxicillin mit dem β-Lactamasehemmer Clavulansäure kombiniert. Diese Wirkstoffe greifen die Bakterienwand an, sind bakterizid wirksam, verteilen sich rasch im Organismus (gute Knochenpenetration) und helfen somit schnell gegen vorwiegend grampositive, aerobe Keime. Sie sind gut verträglich und können ebenfalls in der Schwangerschaft eingesetzt werden.

Penicillin V sollte bevorzugt eine Stunde vor dem Essen eingenommen werden, wohingegen Amoxicillin zu einer Mahlzeit genommen wird. Bei Einnahme von Amoxicillin + Clavulansäure kann es vermehrt zum Auftreten von gastrointestinalen Nebenwirkungen (Durchfall, Magenschmerzen, Übelkeit) kommen. Außerdem sollten bei längerer Einnahme die Leberenzyme kontrolliert werden.

Cephalosporine: Vor allem die Cephalosporine der zweiten (Cefuroxim) und dritten (Cefpodoxim) Generation werden seltener verordnet, da Penicilline wirksamer, kostengünstiger und nebenwirkungsärmer sind.

Lincosamide: Ein wichtiger Vertreter ist das Clindamycin, das bakteriostatisch sowohl gegen grampositive und gramnegative als auch gegen aerobe und anaerobe Keime wirkt. Es wird rasch resorbiert und zeigt eine ähnlich gute Gewebe- und Knochenpenetration wie die Penicilline. Das Antibiotikum sollte nicht in Schwangerschaft und Stillzeit gegeben werden. Auch kommt es vermehrt zum Auftreten von Dickdarmentzündungen und anderen gastrointestinalen Nebenwirkungen.

Clindamycin ist ein Reserveantibiotikum und kann bei nachgewiesener Penicillinallergie (viele Patient:innen glauben nur, diese Allergie zu haben) oder fehlender Wirksamkeit der Penicilline eingesetzt werden. Aufgrund des häufigen Einsatzes von Clindamycin haben die Resistenzraten stark zugenommen.

Nitroimidazole: Der Hauptvertreter – das Metronidazol wirkt ausschließlich gegen gramnegative Anaerobier stark bakterizid. Es penetriert gut das Gewebe und ist liquorgängig. Aufgrund der potenziell teratogenen Wirkung darf es bei Schwangeren und Stillenden nicht eingesetzt werden. In der Zahnmedizin wird es bei schweren Formen der Parodontitis mit anaeroben Keimen oft in Kombination mit Amoxicillin verschrieben.

Neben gastrointestinalen Nebenwirkungen können Veränderungen im Blutbild sowie Schwindel, Kopfschmerzen, ein metallischer Geschmack und Veränderungen des Urins auftreten. Metronidazol sollte zu einer Mahlzeit mit ausreichend Wasser eingenommen werden. Während der Behandlung darf keinesfalls Alkohol getrunken werden, da es zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen kann.

Makrolide wie Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin oder Roxithromycin haben eine bakteriostatische Wirkung, werden aber aufgrund der problematischen Resistenzlage und einem hohen Interaktionspotenzial nicht in der Erstlinientherapie empfohlen. Eine Anwendung in der Schwangerschaft sollte nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Analyse erfolgen.

Die Wirkstoffe werden über die Leber durch das Cytochrom P450-Isoenzym CYP3A4 metabolisiert. Bei der gleichzeitigen Einnahme von Makroliden mit Medikamenten oder Nahrungsmitteln, die ebenfalls von CYP3A4 abgebaut werden (beispielsweise Ciclosporin, Statine, Theophyllin, Grapefruit), kann es zu Interaktionen kommen.

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