Anaphylaxie durch Insektengift – jede Sekunde zählt

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Foto: iStock/rudall30

Ein Insektenstich schmerzt, schwillt an und/oder juckt unerträglich. Für etwa 3,5 Prozent der Bevölkerung ist ein Wespenstich sogar lebensbedrohlich und führt zu einer Anaphylaxie. Was bedeutet das? Und zu welchem Zeitpunkt wird Adrenalin benötigt?

Was ist eine Anaphylaxie?

Bei der Anaphylaxie handelt es sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems, der eine frühere Sensibilisierung mit anschließender Antikörperbildung vorausgegangen ist. Ursächlich sind vor allem Wespenstiche, aber auch Bienen, Hummeln oder Hornissen können diese heftige Reaktion auslösen.

Wie äußert sich eine Insektengiftallergie?

Wenn es zu einem Kontakt mit dem Allergen (hier: Insektengift) kommt, entstehen meist innerhalb von 20 Minuten Symptome. Sie reichen von lokal begrenzter Schwellung mit Juckreiz über Kreislaufstörungen mit schlechtem Allgemeinbefinden bis hin zum anaphylaktischen Schock mit Bewusstlosigkeit, Atem- und Kreislaufstillstand.

Wenn zu den Hautsymptomen wie Schwellung, Juckreiz, Rötung noch andere Allgemeinsymptome – zum Beispiel Kribbeln an Händen, Kopfhaut oder Zunge, Übelkeit, Heiserkeit oder Schwindel – hinzukommen, ist absolute Vorsicht und Eile geboten. Der Verdacht auf eine Insektengiftallergie liegt nahe und es muss unverzüglich der Notruf gewählt werden, da die Situation innerhalb von Minuten lebensbedrohlich werden kann. Nach der lebensrettenden Erstversorgung müssen die Patient:innen stationär überwacht werden, da sich ein anaphylaktischer Schock auch nach Stunden wiederholen kann.  

Was kannst du bei einer Anaphylaxie tun?

Zuerst sollte die Allergenzufuhr gestoppt werden, das heißt: Verhindere weitere Insektenstiche. Alarmiere den Notruf. Die Rettungshelfer:innen werden den Kreislauf mittels Volumenersatztherapie (Kochsalz- oder Ringerlösung) stabilisieren und Adrenalin, Antihistaminika sowie Glucocorticoide intravenös verabreichen.

Bei Bewusstlosigkeit oder Atemstörungen wird intubiert und bei Herzstillstand reanimiert.

Da bei einem erneuten Allergenkontakt mit einem weiteren anaphylaktischen Schock zu rechnen ist, muss die betroffene Person zu jeder Zeit ein Notfallset bei sich tragen, mit dem die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte sicher überbrückt werden kann.

Was enthält das Notfallset und wie wendet man es an?

Das Notfallset enthält einen Adrenalin-Autoinjektor, ein flüssiges Antihistaminikum, Glucocorticoid und eventuell ein ß2-Sympathomimetikum. Einen Adrenalin-Autoinjektor (Fastjekt® von Meda, Jext® von ALK, Emerade® von Bausch+Lomb, Anapen® Injektionslösung von Bioprojet Pharma) mit dem Wirkstoff Epinephrin gibt es in den Wirkstärken 150yg für Kinder von 15 bis 30 Kilogramm Körpergewicht und 300yg oder 500yg für Erwachsene. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Dosierung, sondern auch in den Nadellängen.

Die genaue Dosierung muss vom behandelnden Arzt festgelegt werden. Die Fertigpens werden intramuskulär, eventuell auch durch die Kleidung in den seitlichen Oberschenkel verabreicht. Die Anwendung wird mit Piktogrammen auf dem Pen erklärt und ist relativ einfach durchzuführen.

Es wird empfohlen, Familienmitglieder, Lehrer:innen und Erzieher:innen in die Handhabung einzuweisen. Die Hersteller stellen Demopens und Infovideos kostenlos zur Verfügung. Auf diese Weise kann die Anwendung auch am HV-Tisch demonstriert werden.

 

Flüssiges Antihistaminikum

Meist werden die besonders schnell wirksamen Fenistil®Tropfen von GlaxoSmithKline mit dem H1-Antihistaminikum Dimetinden verordnet. Bei einer Anaphylaxie müssen die Betroffenen den Tropfer entfernen und je nach Dosierungsanweisung eine halbe bis ganze Flasche austrinken.

 

Glucocorticoid

Entweder Betamethason (Celestamine®N 0,5 liquidum) oder Prednisolon (Okrido® 6mg/ml Lösung) gehören in flüssiger Form in das Notfallset. Je nach Körpergewicht und Anweisung des Arztes muss eine individuelle Dosis möglichst rasch eingenommen werden.

 

ß2-Sympathomimetikum

Bei bestehender Atemnot kann ein Salbutamol-Spray die Symptome schnell und wirksam lindern.

 

WICHTIG FÜR BETROFFENE: Überprüfe bitte regelmäßig die Verfalldaten der einzelnen Medikamente, ersetze sie im Bedarfsfall und trage das Set ohne Unterlass bei dir.

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