„Wechselwirkungs-TV“: Apothekerkammer klärt satirisch zu Interaktionen auf

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Grapefruitsaft hemmt das Enzym CYP3A4 im Darm und kann so zu zahlreichen Wechselwirkungen führen. Ein bekanntes Beispiel ist die gleichzeitige Einnahme mit dem Cholesterinsenker Simvastatin. Foto: iStock/Adene Sanchez

Du weißt, dass bei manchen Arzneimitteln Wechselwirkungen auftreten können, wenn sie mit anderen Wirkstoffen oder mit bestimmten Nahrungsmitteln eingenommen werden. Deine Kund:innen ebenfalls?

Im hektischen Apothekenalltag kann der Ratschlag, dass bei der Einnahme von bestimmten Antibiotika auf Milch oder Milchprodukte verzichtet oder dass Grapefruits nicht mit Lipidsenkern kombiniert werden sollten, manchmal untergehen. Dabei ist dieser Hinweis lebenswichtig.

25.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an Wechselwirkungen

Und jede zehnte Krankenhauseinweisung lässt sich auf unerwünschte Wechselwirkungen zurückzuführen. Deshalb ist die Aufklärung der Patient:innen und die Sensibilisierung für das Thema Arzneimittelwechselwirkungen essenziell. Zu diesem Zweck hat die Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) in Kooperation mit der Werbeagentur Cyrano „WeWi-TV“ gestartet.

Das Thema wird zur Aufmerksamkeitsgewinnung ins Lächerliche gezogen: Im Header der Homepage findet sich der Hinweis: „Achtung, Sie sehen Satire!“. Ein etwa sechsminütiges Video klärt beispielsweise im ironischen Nachrichtenformat über die Wechselwirkungen bestimmter Arzneimittel auf. Darunter finden sich kurze Verbraucher-Tipps, wie „sich das Minimum an Wirkung bei einem Maximum an Wechselwirkungen aus Medikamenten herausholen lässt“. Die satirische Herangehensweise liest sich amüsant bis makaber, möchte jedoch auf die häufigen Interaktionen aufmerksam machen. Denn eine Sensibilisierung ist dringend vonnöten.

Mit einem Klick zurück zur Seriosität

Satirisch werden beispielsweise Johanniskraut und Pille, die Grapefruit als Wirkstoffhemmer oder Antibiotika und Milch betrachtet. Bezüglich Marcumar findet sich folgende satirische Kreation:

„Blutgerinnungshemmer plus ASS = Wechselwirkungs-Jackpot: Wem das Leben mit künstlicher Herzklappe oder mit Bypässen zu langweilig ist, kann einfach ASS-haltige Schmerzstiller zum verordneten Marcumar einnehmen und schon steht das Leben wieder auf Messers Schneide: Man weiß nie, wann und wo die nächste innere Blutung auftritt! […]“

Die seriöse Erklärung vermittelt die Ernsthaftigkeit von Wechselwirkung – durch Klicken des Artikels gelangst du auf die Kernaussage:

„Patienten mit einer künstlichen Herzklappe, nach Bypässen oder mit Thromboserisiko nehmen regelmäßig Blutverdünner wie Marcumar ein. Sie sollten bei Kopfschmerzen, Fieber und Co. nicht einfach zum erstbesten schmerzlindernden Medikament greifen. Patienten, die Marcumar einnehmen, erhöhen nämlich mit der Einnahme von ASS-haltigen Schmerzstillern ihr Blutungsrisiko. Gerade innere Blutungen zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt können lebensgefährlich werden. [….]“

Zusätzlich zu dieser ungewöhnlichen Art der Aufklärung möchte die AKWL nach eigener Aussage auch die Einführung eines Anspruchs der Patienten und Patientinnen auf honorierte pharmazeutische Dienstleistungen in der Apotheke vorbereiten. Die Apotheke vor Ort sollte die erste Anlaufstelle bei Fragen zur Polymedikation sein und damit für die Arzneimitteltherapiesicherheit der Bevölkerung unverzichtbar bleiben.

Frische dein Wissen zu Wechselwirkungen auf

Wenn du das Thema „Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln“ angehen möchtest, kannst du dir hier die passende Leitlinie herunterladen. In der Broschüre findest du viele Interaktionen, die deine Patient:innen ebenfalls kennen sollten. Je besser du dich mit diesem Thema auskennst, umso sicherer bist du in der Beratung, auch wenn ein Kunde oder eine Kundin dich nach einer Begründung fragen sollte.

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